Ratenpause bei der Sparkasse: Rechte, Risiken und Grenzen für Unternehmen
Eine Ratenpause klingt nach Atempause. Rechtlich ist sie ein Zahlungsaufschub ohne gesetzlichen Anspruch, mit fortlaufenden Zinsen und strafbewehrten Fallstricken für Geschäftsführer.

Wer als Geschäftsführer merkt, dass die nächste Kreditrate nicht mehr aus der laufenden Liquidität zu stemmen ist, greift zum Telefon und ruft die Sparkasse an. Der Impuls ist richtig. Die Erwartung, dass ein Zahlungsaufschub schon irgendwie zusteht, ist es nicht. Eine Ratenpause bei der Sparkasse ist keine gesetzlich verbürgte Leistung. Sie ist das Ergebnis einer individuellen Vereinbarung, die der Kreditgeber gewähren kann, aber nicht muss.
Warum gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Ratenpause?
Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt in § 271 BGB die Fälligkeit von Leistungen und in § 488 BGB die Pflichten beim Darlehensvertrag. Beide Normen legen fest, wann Zinsen und Tilgung zu zahlen sind. Einen ausdrücklichen Anspruch des Darlehensnehmers, die Fälligkeit einseitig hinauszuschieben, enthalten sie nicht.
Es gab einmal eine Ausnahme. Während der COVID-19-Pandemie schuf der Gesetzgeber in Art. 240 § 3 EGBGB eine zeitlich eng begrenzte Stundungsregelung für Verbraucherdarlehensverträge, die vor dem 15. März 2020 abgeschlossen worden waren. Für den Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni 2020 wurden Rückzahlungs-, Zins- und Tilgungsleistungen kraft Gesetzes gestundet, sofern der Verbraucher pandemiebedingte Einnahmeausfälle nachweisen konnte. Zum 1. Oktober 2022 wurde diese Sonderregelung aufgehoben. Seither gilt wieder der Grundsatz: Stundung entsteht durch Vereinbarung, nicht durch Gesetz.
Was ist eine Ratenpause rechtlich gesehen?
Das BaFin-Merkblatt zum Kreditgeschäft definiert die Stundung präzise: Sie ist das Hinausschieben der Fälligkeit einer Forderung bei Bestehenbleiben der Erfüllbarkeit. Die Schuld verschwindet nicht. Sie bleibt jederzeit und unbedingt ablösbar. Was sich ändert, ist allein der Zeitpunkt, zu dem der Gläubiger die Leistung verlangen darf.
Davon abzugrenzen sind zwei andere Gestaltungen. Eine Kreditprolongation verlängert den Darlehensvertrag selbst und kann neue Konditionen begründen. Eine neue Kreditgewährung im Sinne von § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 KWG liegt vor, wenn tatsächlich frisches Kapital bereitgestellt wird. Die reine Stundung ist nach dem BaFin-Merkblatt kein Kreditgeschäft im Sinne des KWG, solange keine Konditionsanpassung wie eine Zinserhöhung vorgenommen wird. Sobald die Sparkasse die Konditionen ändert, verlässt man den sicheren Hafen der bloßen Fälligkeitsverschiebung.
Wann gewährt die Sparkasse eine Ratenpause?
Nach den Informationen der Sparkassenorganisation setzt eine Stundung voraus, dass ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten vorliegen oder bei Zahlung der Rate entstehen würden. Dieser Umstand muss im Stundungsantrag nachgewiesen werden. Es gibt keine automatische Rechtsfolge. Die Entscheidung liegt beim Firmenkundenbetreuer und wird individuell getroffen.
Ein bundesweit einheitliches Formular für Stundungsanträge von Unternehmen ist in den ausgewerteten Quellen nicht dokumentiert. Die Sparkasseninformationen verweisen durchgehend auf den Kontakt mit dem Berater und auf individuelle Prüfung. Wer wartet, bis die Rate bereits ausgefallen ist, hat schlechtere Karten als wer frühzeitig das Gespräch sucht.
Welche Unterlagen sollten Unternehmen vorbereiten?
Der Stundungsantrag muss die Gründe für die Zahlungsschwierigkeit nachvollziehbar darlegen. Die Sparkasseninformationen nennen als relevante Nachweise Belege über Einnahmen, Ausgaben und die aktuelle Liquiditätslage. Für einen Stundungsantrag beim Finanzamt, der in den Quellen als Vergleichsfall beschrieben wird, ist außerdem ein Tilgungsvorschlag sinnvoll.
Für Unternehmen empfiehlt sich eine strukturierte Vorbereitung, bevor das Gespräch mit der Sparkasse stattfindet. Aus den ausgewerteten Quellen ergibt sich, welche Unterlagen erwartet werden:
- Aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) mit Erläuterung der Ertragslage
- Liquiditätsplanung für die nächsten drei bis sechs Monate
- Nachweise über die Ursache der Zahlungsschwierigkeit, zum Beispiel Auftragsrückgang oder Forderungsausfall
- Vorschlag, wie und wann die gestundeten Beträge nachgezahlt werden sollen
Wie läuft das Gespräch mit der Sparkasse ab?
Die Sparkassenorganisation empfiehlt ausdrücklich, schnell einen Termin zu vereinbaren und die Situation offen darzulegen. Berater entscheiden individuell. Die Konditionen einer Ratenpause orientieren sich am bestehenden Darlehensvertrag, nicht an einem Standardtarif.
Wer die Lage beschönigt oder Zahlen zurückhält, riskiert mehr als eine Absage. Die strafrechtlichen Folgen falscher Angaben werden weiter unten erläutert.
Was kostet eine Ratenpause bei der Sparkasse wirklich?
Eine Ratenpause ist kein Erlass. Die Sparkasse verzichtet nicht auf das Geld, sie schiebt den Fälligkeitstermin nach hinten. Während der Stundungsphase laufen die Zinsen auf das noch ausstehende Kapital weiter. Hinzu können Verzugszinsen oder gesonderte Stundungszinsen kommen, deren Höhe vorab zu klären ist, wie die Sparkasseninformationen ausdrücklich betonen.
Das klingt überschaubar. Über eine längere Laufzeit summiert sich der Effekt. Wer sechs Monate aussetzt und danach weiterzahlt wie bisher, zahlt insgesamt länger und damit mehr.
Laufzeit und Zinslast verschieben sich dauerhaft
Die Sparkasse Gelsenkirchen hat im Rahmen der COVID-19-Sonderregelung dokumentiert, wie ausgesetzte Zahlungen behandelt werden: Die gestundeten Beträge wurden an das Ende der ursprünglich vereinbarten Kreditlaufzeit angehängt. Die Laufzeit verlängerte sich entsprechend. Dieses Modell entspricht dem, was die allgemeinen Sparkasseninformationen als Standardmechanismus beschreiben.
Alternativ ist eine Nachzahlung in Raten nach Ende der Stundungsphase möglich, je nach individueller Vereinbarung. Die finanziellen Hauptfolgen einer Ratenpause lassen sich so zusammenfassen:
- Fortlaufender Zinslauf auf das ausstehende Kapital während der gesamten Stundungsphase
- Verlängerung der Kreditlaufzeit, weil ausgesetzte Raten nachgeholt werden müssen
- Mögliche Zusatzkosten durch Verzugszinsen oder gesonderte Stundungszinsen, deren Höhe vertraglich zu vereinbaren ist
Welche insolvenzrechtlichen Risiken müssen Geschäftsführer kennen?
§ 17 InsO definiert Zahlungsunfähigkeit als die Unfähigkeit, fällige Zahlungspflichten zu erfüllen. Der Anknüpfungspunkt ist die Fälligkeit. Eine wirksam vereinbarte Stundung verschiebt diese Fälligkeit und kann damit die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit beeinflussen. Solange die Sparkasse stundet, ist die gestundete Rate nicht fällig.
Daraus folgt aber kein Freifahrtschein. § 15a InsO verpflichtet Geschäftsleiter juristischer Personen und bestimmter Personengesellschaften, bei Eintritt der Zahlungsunfähigkeit spätestens drei Wochen und bei Überschuldung spätestens sechs Wochen nach Eintritt des Insolvenzgrundes einen Eröffnungsantrag zu stellen. Wer diese Frist verstreichen lässt, riskiert nach § 15a Abs. 4 InsO eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe, bei Fahrlässigkeit nach Absatz 5 bis zu einem Jahr.
Wann wird eine Ratenpause zur Insolvenzverschleppung?
Eine Stundung überbrückt einen kurzfristigen Liquiditätsengpass. Sie löst kein strukturelles Problem. Wer eine Ratenpause beantragt, weil ein Großkunde ausgefallen ist und in drei Monaten ein neuer Auftrag anlaufen soll, handelt vernünftig. Wer eine Ratenpause beantragt, weil das Geschäftsmodell seit zwei Jahren keine ausreichenden Deckungsbeiträge mehr erwirtschaftet, kauft sich nur Zeit auf Kosten der Gläubiger.
Die Einschätzung von Dr. Furch ist klar: Wer eine Ratenpause nutzt, um die Ursachen der Krise zu ignorieren statt sie zu beheben, riskiert persönliche Haftung wegen Insolvenzverschleppung. Die Stundungsvereinbarung mit der Sparkasse ändert nichts daran, ob die Gesellschaft insolvenzreif ist. Sie ändert nur, wann eine einzelne Forderung fällig wird. Eine frühzeitige Insolvenzberatung klärt, ob hinter dem Liquiditätsengpass bereits ein Insolvenzgrund steckt und welche Handlungsoptionen noch offenstehen.
Was droht strafrechtlich bei falschen Angaben im Stundungsantrag?
§ 265b StGB, der Kreditbetrug, erfasst ausdrücklich auch die Stundung von Geldforderungen. Nach Absatz 3 Nr. 2 gilt die entgeltliche Stundung als Kredit im strafrechtlichen Sinne. Wer im Zusammenhang mit einem Antrag auf Gewährung, Belassung oder Veränderung der Bedingungen eines solchen Kredits unrichtige oder unvollständige Unterlagen über die wirtschaftlichen Verhältnisse vorlegt oder schriftlich falsche Angaben macht, die für die Entscheidung erheblich sind, macht sich strafbar. Die Strafandrohung beträgt Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.
Wichtig ist die Abgrenzung: Die bloße Nichtrückzahlung eines Kredits ist kein Straftatbestand. Wer redlich zahlen wollte und es nicht kann, begeht keine Straftat. Strafbarkeit entsteht erst durch Täuschung, also durch unrichtige oder unvollständige Angaben im Antrag. Wer der Sparkasse ein zu positives Bild der Liquiditätslage zeichnet, um die Stundung zu bekommen, bewegt sich in gefährlichem Terrain.
Wann reicht ein Zahlungsaufschub nicht mehr aus?
Eine Ratenpause ist ein Instrument für einen definierten, kurzfristigen Engpass. Sie setzt voraus, dass das Unternehmen nach der Stundungsphase wieder in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Ist das nicht absehbar, löst die Ratenpause das Problem nicht. Sie verzögert es nur.
Es gibt Warnsignale, bei denen ein Zahlungsaufschub allein nicht mehr ausreicht und professionelle Restrukturierungsberatung notwendig wird:
- Die Zahlungsschwierigkeit besteht seit mehr als einem Quartal und hat keine erkennbare einmalige Ursache
- Mehrere Gläubiger werden nicht mehr fristgerecht bedient, nicht nur die Sparkasse
- Die betriebswirtschaftliche Auswertung zeigt dauerhaft negative Deckungsbeiträge
- Lieferanten fordern Vorkasse oder kürzen Kreditlimite
- Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge werden gestundet oder nicht mehr gezahlt
- Der Geschäftsführer kann keine belastbare Liquiditätsplanung für die nächsten zwölf Monate vorlegen
Wer mehrere dieser Punkte erkennt, sollte das Gespräch mit einem auf Restrukturierung spezialisierten Berater suchen. Je früher, desto mehr Handlungsoptionen bleiben erhalten.

Diesen Beitrag hat Dr. Volker Furch inhaltlich und fachlich geprüft. Rechtsgrundlagen, Zahlen und Beispiele sind sauber aufgearbeitet und mit den zugrunde liegenden Quellen abgeglichen. Unsere redaktionellen Richtlinien
Häufige Fragen zur Ratenpause bei der Sparkasse
Kann man bei der Sparkasse eine Ratenpause beantragen?
Ja, eine Ratenpause ist grundsätzlich möglich. Sie ist aber kein gesetzlicher Anspruch, sondern eine individuelle Vereinbarung zwischen Kreditnehmer und Sparkasse. Die Entscheidung liegt beim Berater des Kreditinstituts und setzt in der Regel den Nachweis ernsthafter Zahlungsschwierigkeiten voraus.
Ist eine Ratenpause sinnvoll?
Eine Ratenpause ist sinnvoll, wenn ein klar abgrenzbarer, kurzfristiger Liquiditätsengpass überbrückt werden soll und das Unternehmen danach wieder zahlungsfähig ist. Bei strukturellen Problemen als eigentlicher Ursache verschiebt sie das Problem nur und kann bei Geschäftsführern persönliche Haftungsrisiken erzeugen.
Wie kann ich eine Ratenpause beantragen?
Der erste Schritt ist ein frühzeitiger Kontakt mit dem Firmenkundenbetreuer der Sparkasse. Ein bundesweit einheitliches Formular für Unternehmenskredite ist nicht dokumentiert. Der Antrag sollte die Gründe für die Zahlungsschwierigkeit darlegen und durch Unterlagen wie eine aktuelle BWA, eine Liquiditätsplanung und Nachweise über die Ursache des Engpasses gestützt werden.
Wie lange kann man eine Ratenpause beantragen?
Eine gesetzlich festgelegte Höchstdauer für Ratenpausen außerhalb des aufgehobenen COVID-19-Sonderregimes ist in den ausgewerteten Quellen nicht dokumentiert. Die Dauer wird individuell vereinbart. Während der COVID-19-Sonderregelung nach Art. 240 § 3 EGBGB war eine dreimonatige Stundung gesetzlich vorgesehen, die durch Rechtsverordnung auf bis zu zwölf Monate ausgedehnt werden konnte. Diese Regelung gilt heute nicht mehr.
Ist es strafbar, einen Kredit nicht zurückzuzahlen?
Die bloße Nichterfüllung einer Rückzahlungspflicht ist kein Straftatbestand. Strafbarkeit entsteht nach § 265b StGB erst dann, wenn im Zusammenhang mit einem Kreditantrag oder einer Konditionsänderung unrichtige oder unvollständige Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse gemacht werden. Wer der Sparkasse ein zu positives Bild seiner Lage zeichnet, um eine Ratenpause zu erhalten, riskiert eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.
Wie lange kann man einen Kredit pausieren?
Das hängt von der individuellen Vereinbarung mit der Sparkasse ab. Eine allgemeingültige Maximaldauer ist in den verfügbaren Quellen nicht belegt. Unabhängig von der Dauer gilt: Während der gesamten Stundungsphase laufen Zinsen weiter, und die ausgesetzten Beträge müssen nachgezahlt werden. Für Geschäftsführer bleibt zudem die Insolvenzantragspflicht nach § 15a InsO unberührt, unabhängig davon, ob einzelne Kreditraten gestundet sind.
