Unternehmensnachfolge in Deutschland: Was bedeuten die Zahlen von KfW, IfM Bonn und DIHK?
Rund 186.000 Familienunternehmen stehen laut IfM Bonn von 2026 bis 2030 vor einer Übergabe. Gleichzeitig plant erstmals eine größere Gruppe, den Betrieb einfach zu schließen. Wer die Zahlen kennt, versteht das Ausmaß des Problems.

Eine amtliche Statistik zur Unternehmensnachfolge in Deutschland gibt es nicht. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn hält das in seiner Veröffentlichung „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030″ (Daten und Fakten Nr. 37, November 2025) ausdrücklich fest. Forscher greifen deshalb auf Schätzverfahren, Panelbefragungen und Beratungsstatistiken zurück.
Das Ergebnis ist eine Datenlage aus drei Quellen, die sich gegenseitig ergänzen, aber unterschiedliche Grundgesamtheiten und Methoden nutzen. Wer die Zahlen des IfM Bonn, des KfW-Nachfolge-Monitorings und des DIHK-Reports nebeneinanderlegt, ohne ihre Methodik zu kennen, zieht leicht falsche Schlüsse. Die Unterschiede sind erheblich.
Warum gibt es keine amtliche Statistik zur Unternehmensnachfolge in Deutschland?
Unternehmensübergaben hinterlassen keine einheitliche Datenspur in amtlichen Registern. Eine Erbfolge, ein Gesellschafterwechsel, ein Verkauf an den langjährigen Prokuristen: All das läuft über unterschiedliche Rechtsformen, Notariate und Handelsregistereintragungen, ohne dass eine zentrale Behörde den Vorgang als „Nachfolge“ erfasst. Das IfM Bonn entwickelte deshalb seit Mitte der 1990er Jahre ein eigenes Schätzverfahren, das auf der Umsatzsteuerstatistik, dem Mikrozensus und eigenen Erhebungsdaten aufbaut.
KfW Research geht einen anderen Weg. Das jährliche Nachfolge-Monitoring Mittelstand basiert auf dem KfW-Mittelstandspanel, einer Wiederholungsbefragung, die seit dem Jahr 2003 läuft und pro Jahr bis zu 15.000 Unternehmen umfasst. Die KfW bezeichnet dieses Panel als einzige repräsentative Erhebung im deutschen Mittelstand. Grundgesamtheit sind alle privaten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von höchstens 500 Millionen Euro. Der DIHK wiederum stützt seinen Report 2022 auf 18.005 Beratungskontakte aus 79 Industrie- und Handelskammern, also auf Erfahrungswissen aus der Praxis.
Wie erheben IfM Bonn, KfW und DIHK ihre Zahlen?
Das IfM schätzt die Zahl der Unternehmensübergaben in Fünfjahreszeiträumen und unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen allgemeinen Unternehmensübertragungen und Nachfolgen in eigentümergeführten Betrieben. Letztere setzen voraus, dass ein Eigentümergeschäftsführer die Leitung aus persönlichen Gründen abgibt, also nicht wegen Insolvenz oder Marktaustritt, sondern wegen Alter, Krankheit oder Ruhestand.
KfW fragt Inhaberinnen und Inhaber direkt nach ihren Rückzugsplänen und dem Stand der Nachfolgeprozesse. Die Ergebnisse erscheinen als jährliche Fokuspapiere, zuletzt „Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025″ sowie die Fokuspapiere Nr. 450 (Februar 2024) und Nr. 481 (Januar 2025). Der DIHK-Report ergänzt die statistischen Befunde um Qualitätsurteile aus dem Beratungsalltag der IHKs.
Was bedeuten die zentralen Begriffe und warum ist das für die Zahlen entscheidend?
Statista definiert in Anlehnung an externe Fachquellen drei Begriffe, die in der Praxis oft verwechselt werden. Eine „Unternehmensübernahme“ liegt vor, wenn das Eigentum an einer wirtschaftlichen Einheit übernommen wird, ohne diese wesentlich zu verändern. Eine „Unternehmensnachfolge“ setzt voraus, dass ein Eigentümergeschäftsführer die Leitung aus persönlichen Gründen abgibt. „Übergabereif“ ist ein Unternehmen, wenn sich der Eigentümergeschäftsführer innerhalb der nächsten fünf Jahre aus persönlichen Gründen zurückziehen wird.
Diese Abgrenzung ist nicht akademisch. Die IfM-Zahlen beziehen sich auf Familienunternehmen mit einem bevorstehenden inhabergeführten Rückzug. Die KfW-Zahlen erfassen alle mittelständischen Unternehmen, deren Inhaber Rückzugspläne äußern, unabhängig davon, ob bereits ein Nachfolger gefunden ist. Wer beide Zahlenreihen vergleicht, ohne das zu wissen, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Wie viele Unternehmen stehen in Deutschland vor einer Nachfolge?
Das IfM Bonn schätzt für den Zeitraum von 2022 bis 2026 rund 190.000 Familienunternehmen, die vor einer Übergabe stehen. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 beziffert das Institut diese Zahl auf rund 186.000 Unternehmen. Die Übergabezahlen stagnieren damit trotz fortschreitender Alterung der Inhabergeneration. Das IfM wertet das als Durchbruch eines Trends, der in der vorangegangenen Schätzung noch auf Wachstum hindeutete.
KfW Research kommt für einen anderen Zeitraum und eine andere Grundgesamtheit zu deutlich höheren Zahlen. Laut Fokuspapier Nr. 450 streben bis Ende des Jahres 2027 insgesamt 626.000 der 3,81 Millionen mittelständischen Unternehmen in Deutschland eine Nachfolge an. Das entspricht im Durchschnitt rund 125.000 geplanten Unternehmensnachfolgen pro Jahr. Dieser Wert schließt alle Planungsstadien ein, von der ersten Überlegung bis zur laufenden Verhandlung.
Kurzfristige Nachfolgepläne bis Ende 2025
Für den kurzfristigen Horizont liefert das KfW-Monitoring besonders aufschlussreiche Daten. Laut Fokuspapier Nr. 450 planten rund 224.000 Inhaberinnen und Inhaber bis Ende des Jahres 2024 ihren Rückzug und strebten eine Übergabe an einen Nachfolger an. Das entspricht etwa sechs Prozent aller 3,81 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Für den Zeitraum bis Ende 2025 nennt das Fokuspapier Nr. 481 rund 215.000 Unternehmen mit kurzfristigen Nachfolgewünschen.
Bemerkenswert ist, wie weit viele dieser Prozesse bereits gediehen sind. Von den 224.000 Unternehmen mit Nachfolgeplänen bis Ende 2024 hatte die KfW zum Erhebungszeitpunkt im Frühjahr 2023 folgende Stände ermittelt:
- 41 Prozent (rund 92.000 Unternehmen) hatten ihre Nachfolge bereits geregelt und die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen.
- 31 Prozent (rund 69.000 Unternehmen) befanden sich bereits in konkreten Verhandlungen.
- Bei fast drei von vier kurzfristig geplanten Übergaben hatten sich damit bereits Nachfolgerinnen oder Nachfolger gefunden oder es liefen konkrete Gespräche.
Die KfW bezeichnet diese Quote als „absoluten Höchstwert“ im Vergleich zu allen bisherigen Erhebungen des Monitorings.
Jährliche Nachfolge- und Stilllegungspläne bis Ende 2029
Das Nachfolge-Monitoring 2025 verschiebt den Blick auf einen längeren Zeithorizont und zeigt dabei eine strukturelle Verschiebung. Bis Ende des Jahres 2029 streben laut KfW jährlich rund 109.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgeregelung an. Gleichzeitig planen jährlich rund 114.000 Unternehmen eine bewusste Stilllegung ohne Nachfolgelösung.
Das ist ein historischer Wendepunkt. Erstmals übersteigen die Stilllegungspläne die Nachfolgepläne im jährlichen Vergleich. Jedes vierte mittelständische Unternehmen möchte nach Ausscheiden der Inhabergeneration den Betrieb schließen, statt ihn weiterzugeben. Die Nachfolgewelle ist real, aber die Stilllegungswelle wächst schneller.
Welche Nachfolgeform wählen Unternehmen am häufigsten?
Das IfM Bonn hat auf Basis von 23 empirischen Studien aus rund 40 Jahren eine Metaanalyse zur Verteilung der Nachfolgeformen erstellt. Das Ergebnis zeigt eine klare Hierarchie, die sich aber langsam verschiebt. Familieninterne Lösungen dominieren, verlieren aber an Gewicht.
Die Metaanalyse weist folgende Verteilung aus:
- 54 Prozent der Familienunternehmen übergaben an eigene Kinder oder andere Familienmitglieder.
- 17 Prozent übertrugen das Unternehmen an Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter.
- 29 Prozent gingen an externe Führungskräfte, andere Unternehmen oder sonstige externe Interessenten.
Die KfW bestätigt die Dominanz familieninterner Lösungen, aber als Wunschbild: 57 Prozent der Altinhaber wünschen sich laut Pressemitteilung zum Nachfolge-Monitoring 2023 eine Übergabe an ein Familienmitglied. Das ist eine Präferenz, keine Realität.
Familieninterne Nachfolge verliert leicht an Bedeutung
Die IfM-Metaanalyse zeigt, dass Studien ab dem Jahr 2010 eine leichte Verschiebung weg von der familieninternen Lösung belegen. Konkrete Prozentwerte für die Zeiträume vor und ab 2010 weist das Institut in den verfügbaren Textteilen nicht aus. Belegt ist lediglich, dass eine Verschiebung stattgefunden hat.
Der demografische Wandel erklärt einen Teil davon. Wer keine Kinder hat oder deren Desinteresse am Betrieb kennt, sucht früher extern. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Gründungsinteressierten in Deutschland seit Jahren, wie die KfW im Monitoring 2023 festhält. Das verengt den Kreis potenzieller externer Nachfolger zusätzlich.
Warum scheitern so viele Nachfolgeprozesse?
Das KfW-Nachfolge-Monitoring 2025 benennt mehrere strukturelle Hemmnisse, die sich durch alle Erhebungsjahre ziehen. Besonders schwer wiegt der demografische Wandel: Immer mehr Inhaber erreichen das Rentenalter, während der Kreis potenzieller Nachfolgerinnen und Nachfolger schrumpft. Hinzu kommt ein stark gestiegener Bürokratieaufwand, der Übernahmen für externe Interessenten unattraktiver macht. Beide Kräfte wirken zusammen und verstärken einander.
Besonders aufschlussreich ist ein Befund aus der Pressemitteilung zum Monitoring 2023. Das Fehlen eines Interessenten innerhalb der Familie liegt mit 63 Prozent weit vorn unter den Gründen, die Inhaberinnen und Inhaber für eine erwogene Stilllegung nennen. Gegenüber dem Vorjahresmonitoring ist dieser Wert um 13 Prozentpunkte gestiegen. Das ist ein massiver Anstieg innerhalb eines einzigen Jahres.
Nachfolgerkandidaten-Engpass als strukturelles Problem
Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist scharf. 57 Prozent der Altinhaber wünschen sich eine familieninterne Nachfolge. Gleichzeitig nennen 63 Prozent der Unternehmen, die eine Stilllegung erwägen, das Fehlen eines familiären Nachfolgekandidaten als Grund. Wunsch und Realität klaffen weit auseinander.
Das Fokuspapier „Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2022″ prognostiziert auf dieser Grundlage eine deutliche Zunahme ungewollter Unternehmensstilllegungen, insbesondere bei kurzfristig geplanten Übergaben mit unzureichendem Vorbereitungsstand. Wer zu spät beginnt und keinen Nachfolger in der Familie findet, läuft in eine Sackgasse.
Kaufpreisvorstellungen steigen deutlich
Ein weiterer Faktor erschwert die Suche nach externen Nachfolgern. Die durchschnittliche Kaufpreisvorstellung für geplante Übergaben bis Ende des Jahres 2029 liegt laut KfW-Monitoring 2025 bei rund 499.000 Euro. Seit dem Jahr 2019 sind die Kaufpreisvorstellungen im Mittelstand um rund 34 Prozent gestiegen, preisbereinigt um rund 9,5 Prozent.
Steigende Preiserwartungen auf der Verkäuferseite treffen auf einen ohnehin engen Markt an Übernahmeinteressierten. Das macht Verhandlungen schwieriger und verlängert Prozesse. Wer seinen Betrieb zu einem Preis anbietet, der eine Fremdfinanzierung kaum noch trägt, wird keinen Käufer finden, auch wenn das Unternehmen operativ gesund ist.
Welche Rolle spielen Alter und Demografie der Inhabergeneration?
Das Durchschnittsalter der Inhabergeneration im deutschen Mittelstand hat laut Fokuspapier Nr. 481 (Januar 2025) mit über 54 Jahren einen neuen Höchststand erreicht. 30 Prozent der Unternehmerschaft sind älter als 60 Jahre. Diese Zahlen beschreiben keine ferne Zukunft, sondern den gegenwärtigen Zustand.
Gleichzeitig verharrt das Gründungsinteresse in Deutschland auf niedrigem Niveau, wie die KfW in mehreren Monitoring-Berichten festhält. Weniger Gründerinnen und Gründer bedeuten weniger potenzielle Übernehmer. Der Nachfolgemarkt verengt sich von beiden Seiten: mehr Angebote, weniger Nachfrage.
Niemals zuvor so viele Stilllegungspläne
Das Fokuspapier Nr. 481 hält einen Rekord fest, der in seiner Deutlichkeit alarmiert. Niemals zuvor seit Start des Nachfolge-Monitorings haben so viele mittelständische Unternehmen die Aufgabe ihres Betriebs in Erwägung gezogen. Bis Ende des Jahres 2025 denken 231.000 Unternehmen an eine Geschäftsaufgabe. Dem stehen rund 215.000 Unternehmen mit kurzfristigen Nachfolgewünschen im selben Zeitraum gegenüber.
Das Rentenalter des Inhabers ist laut Fokuspapier 2024 der häufigste Einzelgrund für eine geplante Geschäftsaufgabe. Das ist keine Überraschung, aber es zeigt, dass viele Inhaberinnen und Inhaber die Nachfolge nicht frühzeitig genug angehen und dann, wenn das Rentenalter naht, keinen Nachfolger mehr finden.
Was empfehlen IHK und DIHK zur Vorbereitung einer Nachfolge?
Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2022 basiert auf 18.005 Beratungskontakten aus 79 IHKs. Die zentrale Empfehlung der IHK-Beraterinnen und -Berater lautet: Vorbereitung ist alles. Der Report empfiehlt, etwa drei bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe damit zu beginnen, das Unternehmen strukturell und organisatorisch auf die Nachfolge vorzubereiten.
Diese Empfehlung deckt sich mit einem Befund der KfW. Das Monitoring 2022 prognostiziert, dass Misserfolge besonders häufig bei kurzfristig geplanten Übergaben mit unzureichendem Vorbereitungsstand auftreten. Wer erst mit der Suche beginnt, wenn der Rückzug unmittelbar bevorsteht, hat kaum noch Spielraum für Korrekturen.
Regionale Unterschiede am Beispiel Sachsen
Die IHK Dresden hat die IfM-Schätzung für den Zeitraum von 2026 bis 2030 regional aufgeschlüsselt. Für das Bundesland Sachsen erwartet das IfM in diesem Zeitraum rund 7.200 Unternehmensnachfolgen, bei bundesweit rund 186.000. Das entspricht einem Anteil von knapp vier Prozent am Gesamtvolumen.
Für andere Bundesländer liegen in den ausgewerteten Quellen keine vergleichbaren Einzelzahlen vor. Die Sachsen-Zahl zeigt jedoch, dass die Nachfolgewelle auch in strukturell schwächeren Regionen erhebliche Ausmaße annimmt und regionale Beratungskapazitäten entsprechend gefordert sein werden.
Was bedeuten diese Zahlen für Geschäftsführer und Unternehmer?
Die Befunde aus drei unabhängigen Quellen ergeben ein kohärentes Bild. Die Nachfolgewelle ist real: Zwischen dem Jahr 2026 und dem Jahr 2030 stehen laut IfM rund 186.000 Familienunternehmen vor einer Übergabe, und bis Ende des Jahres 2027 streben laut KfW insgesamt 626.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge an. Gleichzeitig wächst die Stilllegungswelle schneller als die Nachfolgewelle. Erstmals übersteigen die jährlichen Stilllegungspläne bis 2029 die jährlichen Nachfolgepläne.
Der entscheidende Hebel ist Zeit. Wer in den nächsten fünf Jahren übergeben will, sollte jetzt mit der Vorbereitung beginnen, nicht erst wenn ein Nachfolger in Sicht ist. Das gilt für die Unternehmensbewertung, die strukturelle Vorbereitung des Betriebs und die Suche nach geeigneten Kandidaten. Wer wartet, bis das Rentenalter naht, riskiert laut KfW-Prognose eine ungewollte Stilllegung. Das ist kein theoretisches Risiko, sondern ein Muster, das die Monitoring-Daten seit Jahren zeigen.
Für Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Übergabe planen, gilt: Eine strukturierte Begleitung der Unternehmensnachfolge schafft die rechtliche und betriebswirtschaftliche Grundlage, die den Unterschied zwischen einem geordneten Übergang und einer ungewollten Stilllegung ausmacht. Die Zahlen zeigen, dass gut vorbereitete Übergaben gelingen. Schlecht vorbereitete enden häufig in der Stilllegung.

Diesen Beitrag hat Dr. Volker Furch inhaltlich und fachlich geprüft. Rechtsgrundlagen, Zahlen und Beispiele sind sauber aufgearbeitet und mit den zugrunde liegenden Quellen abgeglichen. Unsere redaktionellen Richtlinien
Häufige Fragen zur Statistik der Unternehmensnachfolge
Wie viele Unternehmen stehen in Deutschland vor einer Nachfolge?
Das IfM Bonn schätzt für den Zeitraum von 2026 bis 2030 rund 186.000 Familienunternehmen, die vor einer Übergabe stehen. KfW Research nennt für den Zeitraum bis Ende 2027 insgesamt 626.000 mittelständische Unternehmen, die eine Nachfolge anstreben, was im Durchschnitt rund 125.000 pro Jahr entspricht. Die Unterschiede erklären sich durch verschiedene Grundgesamtheiten und Methoden: Das IfM schätzt Familienunternehmen mit inhabergeführtem Rückzug, die KfW befragt alle Mittelständler mit Jahresumsatz bis 500 Millionen Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmensübernahme und Unternehmensnachfolge?
Eine Unternehmensübernahme liegt vor, wenn das Eigentum an einer wirtschaftlichen Einheit wechselt, ohne dass diese wesentlich verändert wird. Eine Unternehmensnachfolge setzt nach der Definition, die Statista unter Bezug auf eine externe Fachquelle wiedergibt, voraus, dass ein Eigentümergeschäftsführer die Leitung aus persönlichen Gründen abgibt. Diese Abgrenzung ist für die Interpretation der Statistiken entscheidend, weil IfM und KfW unterschiedliche Vorgänge erfassen.
Welche Nachfolgeform ist in Deutschland am häufigsten?
Laut einer Metaanalyse des IfM Bonn auf Basis von 23 empirischen Studien aus rund 40 Jahren übergaben 54 Prozent der Familienunternehmen ihren Betrieb familienintern, 17 Prozent an Mitarbeitende und 29 Prozent an externe Interessenten. Die KfW ergänzt, dass 57 Prozent der Altinhaber eine familieninterne Lösung bevorzugen. Studien ab dem Jahr 2010 zeigen laut IfM eine leichte Verschiebung weg von der familieninternen Nachfolge.
Warum scheitern Unternehmensnachfolgen im Mittelstand?
Das KfW-Monitoring 2025 benennt mehrere strukturelle Hemmnisse. Besonders schwer wiegt der demografische Wandel: Immer mehr Inhaber erreichen das Rentenalter, während der Kreis potenzieller Nachfolgerinnen und Nachfolger schrumpft. Der gestiegene Bürokratieaufwand macht Übernahmen für externe Interessenten zusätzlich unattraktiv. Besonders gravierend ist der Befund aus dem Monitoring 2023: In 63 Prozent der Fälle, in denen eine Stilllegung erwogen wird, fehlt ein Familienkandidat für die Nachfolge. Dieser Wert stieg gegenüber dem Vorjahresmonitoring um 13 Prozentpunkte.
Wie lange sollte man eine Unternehmensnachfolge im Voraus planen?
Der DIHK-Report 2022, der auf 18.005 Beratungskontakten aus 79 IHKs basiert, empfiehlt einen Vorbereitungszeitraum von etwa drei bis zehn Jahren vor der geplanten Übergabe. Diese Empfehlung deckt sich mit dem KfW-Befund, dass kurzfristig geplante Übergaben mit unzureichendem Vorbereitungsstand das höchste Risiko einer ungewollten Stilllegung tragen.
Was sagt das KfW-Nachfolge-Monitoring zur Entwicklung der Stilllegungspläne?
Das Monitoring 2024 (Fokuspapier Nr. 481) hält fest, dass niemals zuvor seit Start des Monitorings so viele mittelständische Unternehmen eine Geschäftsaufgabe in Erwägung gezogen haben. Bis Ende des Jahres 2025 denken 231.000 Unternehmen an eine Stilllegung. Das Monitoring 2025 zeigt, dass dieser Trend anhält: Bis Ende 2029 planen jährlich rund 114.000 Unternehmen eine bewusste Stilllegung ohne Nachfolgelösung, während jährlich rund 109.000 Unternehmen eine Nachfolgeregelung anstreben.
