Liquiditätskredit bei der KfW: Zinsen & Konditionen [09/2026]
Wer Liquidität über KfW-Programme sichern will, stößt schnell auf ein Geflecht aus Produktnummern, Verwendungsgrenzen und Bonitätsklassen. Dr. Furch ordnet die relevanten Programme ein und zeigt, worauf es beim Antrag wirklich ankommt.

Ein Unternehmen braucht Geld, um das Warenlager aufzustocken, eine Kontokorrentlinie abzulösen oder die Debitoren auszuweiten. Keine neue Maschine, kein Gebäude. Genau für diesen Bedarf gibt es im KfW-Fördersystem passende Programme. Das Problem: Die KfW kennt keinen Kredit, der schlicht „Liquiditätskredit“ heißt. Der Begriff beschreibt einen Verwendungszweck, kein Produkt. Wer die falschen Programme anfragt oder den Antrag ohne Vorbereitung stellt, verliert Zeit und Förderchancen.
Die relevanten Programme sind der KfW-Unternehmerkredit (Produktnummern 037 und 047), der ERP-Förderkredit KMU (Produktnummern 365 und 366) sowie der Liquiditätskredit der L-Bank Baden-Württemberg, der über zinsgünstige KfW-Refinanzierungsmittel gespeist wird. Alle drei adressieren Betriebsmittel als eigenständigen Verwendungszweck neben Investitionen.
Was versteht die KfW-Förderung unter einem Liquiditätskredit?
„Liquiditätskredit“ ist kein offizieller Produktname der KfW. In den Merkblättern taucht der Begriff allenfalls als Beschreibung des Verwendungszwecks auf, wenn Betriebsmittel oder Warenlager als förderfähige Kosten aufgelistet werden. Wer nach einem „KfW-Liquiditätskredit“ sucht, muss sich durch mehrere Programme arbeiten und prüfen, welches zum konkreten Bedarf passt.
Einen klaren Gegenentwurf liefert die L-Bank Baden-Württemberg: Ihr Programm heißt tatsächlich „Liquiditätskredit“ und definiert den Begriff ausdrücklich. Im Merkblatt der L-Bank (Stand 01.07.2019) heißt es, das Programm finanziere Liquiditätsbedarf im Zusammenhang mit nicht-investiven Maßnahmen. Investitionen in langfristige Anlagegüter wie Maschinen oder Betriebsgebäude sind dort explizit ausgeschlossen. Das Merkblatt formuliert es direkt: „Das Programm ist kein Investitionsförderprogramm.“
Betriebsmittel als Liquiditätskomponente in KfW-Programmen
In den KfW-Merkblättern erscheinen Betriebsmittel und Warenlager als eigenständige Verwendungszwecke neben Investitionen, Unternehmensübernahmen und Beteiligungen. Das ist kein redaktioneller Zufall, sondern hat praktische Konsequenzen: Für Betriebsmittel gelten andere Kreditobergrenzen als für Investitionen.
Besonders deutlich wird das im ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung (Kredit 366). Für Investitionen und Unternehmensübernahmen liegt die Kreditobergrenze bei jeweils 25 Millionen Euro pro Vorhaben. Für Betriebsmittel und Warenlager hingegen gilt eine Grenze von 7,5 Millionen Euro. Bei Kreditbeträgen über 2 Millionen Euro kommt eine zusätzliche Deckelung hinzu: Der Kredit darf maximal 30 Prozent der letzten Bilanzsumme der Unternehmensgruppe betragen (Quelle: KfW-Merkblatt Kredit 366, Stand 01.09.2026).
Wo verläuft die Grenze zwischen Liquiditäts- und Investitionskredit?
Die Abgrenzung folgt der Art des finanzierten Vorhabens. Investitionskredite finanzieren langfristige Anlagegüter, die über mehrere Jahre genutzt werden. Liquiditätskredite finanzieren den laufenden Betrieb: Warenlageraufstockungen, die Ausweitung von Debitoren, die Aufrechterhaltung der Skontierfähigkeit oder die Umschuldung kurzfristiger Kontokorrentlinien.
Das L-Bank-Programm macht diese Trennlinie besonders anschaulich. Es benennt förderfähige Vorhaben ausdrücklich und schließt Investitionen in langfristige Anlagegüter explizit aus. Die Unterscheidung ist in der Praxis relevant, weil ein falsch zugeordneter Verwendungszweck zur Ablehnung des Antrags führen kann. Laut Merkblatt und Förderdatenbank des Bundes kommen folgende Vorhaben in Betracht:
- Betriebsmittelfinanzierungen bei wachstumsbedingtem Mehrbedarf (zum Beispiel Aufstockung des Warenlagers oder Ausweitung der Debitoren)
- Konsolidierungen zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit
- Kurzfristige Umschuldungen aus dem Kontokorrent
- Betriebsübernahmen inklusive Kaufpreis, Folgeinvestitionen, Betriebsmittel und Abfindungen
Welche Programme kommen für die Liquiditätsfinanzierung in Frage?
Drei Programme sind besonders relevant. Sie unterscheiden sich nach Zielgruppe, Kreditobergrenze und der Frage, ob die KfW der Hausbank eine Haftungsfreistellung gewährt. Die Haftungsfreistellung bedeutet: Die KfW übernimmt einen Teil des Kreditrisikos, was die Hausbank eher dazu bringt, den Kredit zu genehmigen.
Eine strukturierte Übersicht hilft bei der ersten Orientierung:
| Programm | Produktnummer | Zielgruppe | Betriebsmittel förderfähig |
|---|---|---|---|
| KfW-Unternehmerkredit | 037 / 047 | Etablierte Unternehmen ab 5 Jahren; KMU (047), größere Unternehmen (037) | Ja |
| ERP-Förderkredit KMU | 365 | KMU nach EU-Definition, Einzelunternehmen, Freiberufler | Ja |
| ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung | 366 | KMU nach EU-Definition, Einzelunternehmen, Freiberufler | Ja, max. 7,5 Mio. Euro |
| L-Bank-Liquiditätskredit (KfW-refinanziert) | L-Bank-Programm | Mittelstand bis in der Regel 500 Beschäftigte in Baden-Württemberg | Ja, Kernzweck des Programms |
KfW-Unternehmerkredit (037 und 047)
Der KfW-Unternehmerkredit richtet sich an etablierte Unternehmen, die seit mindestens fünf Jahren bestehen, sowie an Einzelunternehmen und Freiberufler. Kleine und mittlere Unternehmen nach EU-Definition beantragen den Kredit über die Produktnummer 047, größere Unternehmen ohne Umsatzbeschränkung über die Produktnummer 037. Beide Varianten finanzieren Investitionen und Betriebsmittel.
Ein zentrales Merkmal ist die Haftungsfreistellung für die durchleitende Hausbank. Laut Merkblatt zum KfW-Sonderprogramm 2020 beträgt sie 80 Prozent, für kleine und mittlere Unternehmen sogar 90 Prozent. Bei Kreditbeträgen bis zu 3 Millionen Euro pro Antragsteller verzichtet die KfW zudem auf eine eigene Risikoprüfung. Das senkt den Aufwand für kleinere Kreditanfragen spürbar.
ERP-Förderkredit KMU ohne Haftungsfreistellung (Kredit 365)
Kredit 365 ist aus Mitteln des ERP-Sondervermögens finanziert, was den Zinssatz gegenüber marktüblichen Konditionen verbilligt. Antragsberechtigte sind KMU nach EU-Definition, also Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro, sowie Einzelunternehmen und Freiberufler (Quelle: KfW-Merkblatt Kredit 365, Stand 10.12.2025).
Der maximale Kreditbetrag liegt bei 25 Millionen Euro pro Vorhaben. Finanziert werden können bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten. Die Mindestlaufzeit beträgt zwei Jahre, nach oben reichen die Varianten bis zu 20 Jahren mit bis zu drei tilgungsfreien Anlaufjahren und einer Zinsbindung für die ersten zehn Jahre.
ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung (Kredit 366)
Kredit 366 ist die Variante mit Risikoübernahme durch die KfW zugunsten der Hausbank. Strukturell ähnelt er dem Kredit 365, benennt aber Betriebsmittel und Warenlager ausdrücklich als eigenständige Verwendungszwecke mit eigener Kreditobergrenze.
Für Betriebsmittel und Warenlager gilt ein maximaler Kreditbetrag von 7,5 Millionen Euro pro Vorhaben. Übersteigt der Kreditbetrag 2 Millionen Euro, greift eine zusätzliche Begrenzung: Der Kredit darf dann maximal 30 Prozent der letzten Bilanzsumme der Unternehmensgruppe ausmachen. Der Zinssatz wird aus ERP-Mitteln vergünstigt und am Tag der Zusage festgesetzt (Quelle: KfW-Merkblatt Kredit 366, Stand 01.09.2026).
L-Bank-Liquiditätskredit mit KfW-Refinanzierung
Das Programm der L-Bank Baden-Württemberg ist das einzige, das den Begriff „Liquiditätskredit“ tatsächlich im Produktnamen führt. Es richtet sich an mittelständische Unternehmen und freiberuflich Tätige mit in der Regel bis zu 500 Beschäftigten in Baden-Württemberg. Die KfW stellt der L-Bank zinsgünstige Refinanzierungsmittel bereit, was den Sollzins unter das Marktniveau für Betriebsmittelkredite drückt (Quelle: L-Bank-Merkblatt Liquiditätskredit, Stand 01.07.2019; Förderdatenbank des Bundes, Abruf 09.09.2026).
Der Kreditrahmen liegt zwischen 10.000 Euro und in der Regel 5 Millionen Euro. Förderfähig sind Betriebsmittelfinanzierungen, Konsolidierungen, kurzfristige Kontokorrentumschuldungen und Betriebsübernahmen. Nicht förderfähig sind Unternehmen der Primärerzeugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, der Fischerei und Aquakultur sowie der Erwerb von Beförderungsmitteln für den Straßengüterverkehr.
Was kosten die Programme?
Alle relevanten KfW-Programme arbeiten mit einem risikogerechten Zinssystem. Es gibt keine einheitliche Zinsrate, sondern Preisklassen, die sich nach Bonität des Unternehmens, Sicherheitenlage, Laufzeit, Fördergebiet und Unternehmenssituation richten. Der konkrete Zinssatz wird am Tag der Zusage festgesetzt und orientiert sich an der Entwicklung des Kapitalmarkts.
Die verbindliche Quelle für aktuelle Zinssätze ist die „Konditionenübersicht für Endkreditnehmer in den Förderprogrammen der KfW Bankengruppe“. Sie weist für jede Programmnummer und Laufzeitstruktur Sollzins- und Effektivzinsobergrenzen aus und wird regelmäßig aktualisiert.
Zinsspanne im ERP-Förderkredit KMU (Kredit 365)
Für den ERP-Förderkredit KMU (Kredit 365) mit der Laufzeitstruktur 2/2/2 (Laufzeit/tilgungsfreie Jahre/Zinsbindung) weist die Konditionenübersicht mit Stand 06.08.2026 für das Normalgebiet bei jungen Unternehmen Sollzinsen ab 3,74 Prozent (Effektivzins 3,79 Prozent) aus. Am oberen Ende der Staffel liegt der Sollzins bei 10,34 Prozent mit einem Effektivzins von 10,75 Prozent (Quelle: Konditionenübersicht für Endkreditnehmer, Stand 06.08.2026, abrufbar über IHK-Website).
Die Bandbreite von mehr als sechs Prozentpunkten zwischen bestem und schlechtestem Zinssatz erklärt sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Bonitätsstärkere Unternehmen mit guten Sicherheiten landen in niedrigen Preisklassen. Junge Unternehmen, schwächere Bonität oder ungünstige Sicherheitenlage verschieben die Einordnung nach oben. Wer die eigene Preisklasse kennen will, muss das Gespräch mit der Hausbank suchen, denn die Einstufung erfolgt dort.
Bereitstellungsprovision und weitere Kostenbestandteile
Neben dem Zinssatz entstehen weitere Kosten, die im Vorfeld einkalkuliert werden sollten. Im ERP-Förderkredit KMU (Kredit 366) fällt ab zwei Bankarbeitstagen und sechs Monaten nach Zusagedatum eine Bereitstellungsprovision von 0,15 Prozent pro Monat auf den noch nicht abgerufenen Betrag an. Für den Unternehmerkredit (Produktnummer 047) gilt dieselbe Systematik mit demselben Startzeitpunkt; bei Produktnummer 037 beginnt die Provision bereits ab zwei Bankarbeitstagen und einem Monat nach Zusage (Quelle: KfW-Merkblatt Kredit 366, Stand 01.09.2026; KfW-Merkblatt Unternehmerkredit 037/047).
Beim L-Bank-Liquiditätskredit greift die Bereitstellungsprovision von 0,15 Prozent pro Monat ab drei Monaten nach der Darlehenszusage. Hinzu kommt ein einmaliger Verwaltungskostenzuschlag von 1 Prozent des zugesagten Darlehensbetrags, der bei der ersten Auszahlung einbehalten wird. Effektiv erhält das Unternehmen damit 99 Prozent des zugesagten Betrags. Außerplanmäßige Tilgungen sind bei KfW-Programmen und beim L-Bank-Liquiditätskredit grundsätzlich möglich, aber nur gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung (Quelle: L-Bank-Merkblatt Liquiditätskredit, Stand 01.07.2019; Förderdatenbank des Bundes).
Wer bekommt einen KfW-Kredit für Liquiditätszwecke?
Die Grundvoraussetzung ist in allen Programmen ähnlich: Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Einzelunternehmen und Freiberufler können grundsätzlich einen Antrag stellen. Die Unterschiede liegen in den Größengrenzen. KMU nach EU-Definition, also Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro, sind für die ERP-Programme (365 und 366) antragsberechtigt. Größere Unternehmen können über den KfW-Unternehmerkredit (037) einsteigen.
Ausgeschlossen sind in allen Programmen Unternehmen in Schwierigkeiten. Was das bedeutet, regeln die jeweiligen Merkblätter. Beim L-Bank-Liquiditätskredit sind zusätzlich Unternehmen der Primärerzeugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, der Fischerei und Aquakultur sowie der Straßengüterverkehr von bestimmten Finanzierungen ausgeschlossen.
Welche Sicherheiten und Bonitätsanforderungen gelten?
Das risikogerechte Zinssystem hat eine direkte Konsequenz: Bonität und Sicherheitenlage bestimmen die Preisklasse und damit den Zinssatz. Ein Unternehmen mit solider Eigenkapitalquote und verwertbaren Sicherheiten zahlt deutlich weniger als ein Unternehmen ohne Sicherheiten. Die Hausbank nimmt diese Einstufung vor.
Eine Ausnahme gilt beim KfW-Unternehmerkredit im Sonderprogramm 2020: Bei Kreditbeträgen bis zu 3 Millionen Euro pro Antragsteller verzichtet die KfW auf eine eigene Risikoprüfung. Die Prüfung liegt dann vollständig bei der Hausbank. Das erleichtert den Zugang, bedeutet aber nicht, dass keine Bonitätsprüfung stattfindet (Quelle: KfW-Merkblatt Unternehmerkredit 037/047).
Wie läuft der Antrag über die Hausbank ab?
KfW-Kredite werden nicht direkt bei der KfW beantragt. Das Durchleitungsprinzip ist zwingend: Der Antrag wird bei der Hausbank eingereicht, diese prüft ihn, reicht ihn an die KfW weiter und haftet für die Kreditvergabe. Erst nach Zusage durch die KfW kann der Kredit abgerufen werden.
Voraussetzung für die Weiterleitung ist in allen Programmen, dass die Hausbank ein tragfähiges wirtschaftliches Gesamtkonzept des Unternehmens bestätigt. Wer ohne Vorbereitung ins Bankgespräch geht, riskiert eine Ablehnung schon auf dieser ersten Stufe. Der Ablauf in der Praxis folgt diesen Schritten:
- Beratungsgespräch bei der Hausbank mit Vorlage des wirtschaftlichen Gesamtkonzepts
- Auswahl des passenden KfW-Programms gemeinsam mit der Hausbank
- Weiterleitung des Antrags durch die Hausbank an die KfW oder L-Bank
- Zusage durch die KfW und Abschluss des Darlehensvertrags
- Abruf des Kredits in einer Summe oder in Teilbeträgen
Abruffrist und Auszahlungsmodalitäten
Nach der Zusage besteht eine Abruffrist von zwölf Monaten. Der Kredit kann in einer Summe oder in Teilbeträgen abgerufen werden; im Einzelfall ist eine Verlängerung der Abruffrist möglich. KfW-Programme zahlen den Kredit zu 100 Prozent des zugesagten Betrags aus. Der L-Bank-Liquiditätskredit wird zu 99 Prozent ausgezahlt, da bei der ersten Auszahlung der Verwaltungskostenzuschlag von 1 Prozent einbehalten wird.
Die Rückzahlung erfolgt je nach Laufzeitvariante vierteljährlich in gleich hohen Raten oder endfällig zum Laufzeitende. Während der tilgungsfreien Anlaufjahre werden nur Zinsen gezahlt. Außerplanmäßige Tilgungen sind gegen Vorfälligkeitsentschädigung möglich (Quelle: KfW-Merkblatt Kredit 366, Stand 01.09.2026; KfW-Produktseite Unternehmerkredit 037/047).
Was sollten Unternehmen in der Krise vor dem Antrag prüfen?
KfW-Liquiditätskredite setzen ein tragfähiges wirtschaftliches Gesamtkonzept voraus. Das ist keine Formalität. Wer als Unternehmen in Schwierigkeiten gilt, ist von der Förderung ausgeschlossen. Die Abgrenzung zwischen einem vorübergehenden Liquiditätsengpass und einem Unternehmen in Schwierigkeiten ist in der Praxis nicht immer eindeutig und hat weitreichende Konsequenzen.
Für Geschäftsführer und Gesellschafter kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Wer in einer wirtschaftlich angespannten Situation Kredite aufnimmt, ohne die Lage vorher realistisch zu bewerten, kann sich persönlichen Haftungsrisiken aussetzen. Wer nicht sicher ist, ob sein Unternehmen tatsächlich förderfähig ist oder bereits als Unternehmen in Schwierigkeiten eingestuft wird, sollte vor dem Bankgespräch ein professionelles Liquiditätsmanagement in Anspruch nehmen, das die eigene Cashflow-Situation realistisch bewertet und die Grundlage für ein überzeugendes wirtschaftliches Gesamtkonzept legt.
Wer sich nicht sicher ist, ob sein Unternehmen die Fördervoraussetzungen erfüllt, sollte vor dem Bankgespräch eine rechtliche und wirtschaftliche Einschätzung einholen. Das schützt nicht nur die Förderfähigkeit, sondern auch die persönliche Haftungsposition der handelnden Personen. Ein tragfähiges Konzept überzeugt die Hausbank schneller als ein unvorbereiteter Antrag.
Liquiditätskredit-Anbieter in Deutschland im Vergleich
Die folgende Übersicht bündelt die wichtigsten Anbieter von Liquiditätskrediten in Deutschland mit ihren Konditionen, Stand September 2026. Bei Sparkassen, Volksbanken und privaten Banken ist der Liquiditätskredit meist ein Kontokorrentkredit mit individuellen, bonitätsabhängigen Konditionen, öffentliche Förderbanken vergeben im Hausbankverfahren.
| Anbieter | Typ | Max. Kredit | Zins (Stand 09/2026) | Laufzeit |
|---|---|---|---|---|
| KfW ERP-Förderkredit KMU (365/366) |
Förderbank | bis 25 Mio. Euro je Vorhaben; für Betriebsmittel/Warenlager max. 7,5 Mio. Euro (Variante 366 mit Risikoübernahme) | bonitätsabhängig (risikogerechtes Zinssystem der KfW, festgelegt durch die Hausbank; Stand 09/2026) | bis 20 Jahre |
| KfW ERP-Gründerkredit StartGeld (067) |
Förderbank | bis 200.000 Euro Gesamtfremdfinanzierung; davon bis 80.000 Euro für Betriebsmittel (Anhebung von 50.000 auf 80.000 Euro zum 01.12.2025) | bonitätsabhängig, am Zusagetag festgelegt und über die Laufzeit fest (Konditionenübersicht der KfW; Stand 09/2026) | bis 5 Jahre (1 tilgungsfreies Jahr) oder bis 10 Jahre (bis 2 tilgungsfreie Jahre) |
| Landwirtschaftliche Rentenbank Liquiditätssicherung |
Förderbank | bis 25 Mio. Euro Kreditnehmerobligo je Jahr (Standardgrenze) | bonitätsabhängig nach Preisklasse (LR-Top-Konditionen der Rentenbank; Stand 09/2026) | 4, 6 oder 10 Jahre |
| L-Bank (Baden-Württemberg) Liquiditätskredit |
Förderbank | 10.000 bis 5 Mio. Euro (höhere Beträge möglich), bis 100 % der förderfähigen Kosten | bonitätsabhängig (Konditionenübersicht der L-Bank; Stand 09/2026) | 4, 5, 6, 8, 10 oder 20 Jahre; 0 bis 3 tilgungsfreie Jahre |
| LfA Förderbank Bayern Universalkredit (UK5/UK7) |
Förderbank | bis 25 Mio. Euro je Vorhaben | ab 4,55 % p.a. Sollzins (Preisklasse A, 10 Jahre), sonst bonitätsabhängig nach RGZS (Stand 09/2026) | 2 bis 20 Jahre; reine Betriebsmittelfinanzierung max. 10 Jahre; 0 bis 3 tilgungsfreie Jahre |
| NRW.BANK NRW.BANK.Universalkredit |
Förderbank | keine feste Obergrenze; bis 100 % der Investitions- und Betriebsmittelkosten | ab 4,24 % p.a. Sollzins (Preisklasse A), bonitätsabhängig bis 10,64 % (9 Preisklassen; Stand 09/2026) | Betriebsmitteldarlehen max. 10 Jahre; 0 bis 2 tilgungsfreie Jahre |
| Investitionsbank Berlin (IBB) Liquiditätshilfen BERLIN |
Förderbank | bis 1,0 Mio. Euro (in Ausnahmefällen bis 2,5 Mio. Euro) | bonitätsabhängig (Refinanzierungszins zzgl. Marge; Stand 09/2026) | i. d. R. 5 Jahre, davon bis zu 2 Jahre tilgungsfrei |
| ISB (Rheinland-Pfalz) Betriebsmittelkredit RLP (605) |
Förderbank | bis 5 Mio. Euro | bonitätsabhängig (Hausbank nach risikogerechtem Zinssystem der KfW; Stand 09/2026) | bis 10 Jahre; bis zu 1 tilgungsfreies Jahr |
| Sächsische Aufbaubank (SAB) SAB-Sachsenkredit Universal |
Förderbank | bis 20 Mio. Euro (Investitions- und Betriebsmitteldarlehen) | bonitätsabhängig, kombiniert mit Tilgungszuschuss bis 10 % der Darlehenssumme (Stand 09/2026) | programmabhängig (siehe SAB-Merkblatt) |
| WIBank (Hessen) Kapital für Kleinunternehmen |
Förderbank | 25.000 bis 150.000 Euro | 7,81 % p.a. nominal (Stand 01.09.2026; zuvor 7,62 % zum 01.08.2026) | 7 Jahre mit verbindlichem 1. Tilgungsfreijahr, danach 6 Jahre Ratentilgung |
| IFB Hamburg Hamburg-Kredit Wachstum |
Förderbank | bis 750.000 Euro je Vorhaben (bzw. 1,5 Mio. Euro in drei Kalenderjahren) | bonitätsabhängig, durch Landesmittel zusätzlich verbilligte KfW-Refinanzierung (Stand 09/2026) | Betriebsmittelfinanzierung bis 5 Jahre (Investitionen bis 10 Jahre) |
| Bürgschaftsbanken der Länder Ausfallbürgschaft für Betriebsmittelkredite (auch Bürgschaft ohne Bank) |
Förderbank | Bürgschaft bis 2,0 Mio. Euro (in einzelnen Ländern bis 2,5 Mio. Euro), i. d. R. bis 80 % des Kreditbetrags | kein eigener Zins; Zins des besicherten Hausbankkredits ist bonitätsabhängig; zzgl. Bürgschaftsprovision und ca. 1,5 % Bearbeitungsgebühr (Stand 09/2026) | für Betriebsmittelkredite meist bis 8 Jahre |
| Sparkassen (regional) Kontokorrent-/Betriebsmittelkredit |
Hausbank | individuell vereinbarte Kreditlinie (kein öffentlicher Höchstbetrag) | individuell/bonitätsabhängig (kein öffentlicher Festzins; Kontokorrentzinsen liegen deutlich über klassischen Investitionskrediten) | revolvierende Kreditlinie ohne feste Rückzahlungstermine |
| Volksbanken Raiffeisenbanken (regional) Betriebsmittelkredit / Kontokorrentkredit |
Hausbank | individuell vereinbarte Kreditlinie (kein öffentlicher Höchstbetrag) | individuell/bonitätsabhängig (kein öffentlicher Festzins) | revolvierende Kreditlinie, flexibel in Höhe und Laufzeit |
| Commerzbank Gewerbekredit / Kontokorrentkredit |
Hausbank | individuelle Kreditlinie; bis 100.000 Euro Kontokorrent teils direkt im Beratungsgespräch | individuell/bonitätsabhängig (kein öffentlicher Festzins; abhängig von Bonität und Geschäftsentwicklung) | revolvierende Kreditlinie ohne feste Rückzahlungstermine |

Diesen Beitrag hat Dr. Volker Furch inhaltlich und fachlich geprüft. Rechtsgrundlagen, Zahlen und Beispiele sind sauber aufgearbeitet und mit den zugrunde liegenden Quellen abgeglichen. Unsere redaktionellen Richtlinien
Häufige Fragen zum Liquiditätskredit der KfW
Welche Nachteile hat ein KfW-Kredit?
KfW-Kredite laufen ausschließlich über die Hausbank, die das wirtschaftliche Gesamtkonzept des Unternehmens bestätigen muss. Das bedeutet: Wer bei seiner Hausbank keinen Kredit erhält, kommt auch über die KfW nicht weiter. Hinzu kommen Bereitstellungsprovisionen von 0,15 Prozent pro Monat auf nicht abgerufene Beträge sowie Vorfälligkeitsentschädigungen bei außerplanmäßiger Tilgung. Unternehmen in Schwierigkeiten sind von der Förderung ausgeschlossen.
Ist ein KfW-Kredit sinnvoll?
Für Unternehmen mit solidem wirtschaftlichem Fundament und nachweisbarem Liquiditätsbedarf sind KfW-Programme eine attraktive Option. Die Zinsvergünstigung aus ERP-Mitteln und die Haftungsfreistellung für die Hausbank verbessern die Finanzierungskonditionen gegenüber einem reinen Bankkredit. Wer sich hingegen in einer ernsthaften Krise befindet, sollte zunächst eine Restrukturierungsberatung in Anspruch nehmen, bevor er einen Kreditantrag stellt.
Wer bekommt einen KfW-Kredit?
Antragsberechtigt sind Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Einzelunternehmen und Freiberufler, die die programmspezifischen Größengrenzen erfüllen. Für die ERP-Programme (365 und 366) gilt die EU-KMU-Definition: weniger als 250 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro. Ausgeschlossen sind Unternehmen in Schwierigkeiten sowie bestimmte Branchen wie Primärerzeugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse oder Fischerei.
Wie hoch ist der aktuelle KfW-Zinssatz?
Der Zinssatz hängt vom gewählten Programm, der Laufzeit und der Preisklasse ab, in die das Unternehmen eingestuft wird. Für den ERP-Förderkredit KMU (Kredit 365) weist die Konditionenübersicht mit Stand 06.08.2026 Sollzinsen ab 3,74 Prozent (Effektivzins 3,79 Prozent) bis zu 10,34 Prozent Sollzins (Effektivzins 10,75 Prozent) aus. Die jeweils aktuellen Zinssätze veröffentlicht die KfW unter www.kfw.de/konditionen.
