Insolvenzberatung

paragon-Insolvenz: Was der Zusammenbruch eines Finanzierungsdeals für Beschäftigte und Gläubiger bedeutet

Ein geplatzter Finanzierungsdeal zwang den Automobilzulieferer paragon am 7. September 2026 zur Insolvenzantragstellung beim Amtsgericht Paderborn. Rund 552 Beschäftigte an sechs deutschen Standorten sind betroffen.

Dr. Furch & PartnerGerrit Furch|9. Oktober 2026|12 Min Lesezeit

Ein Investor hatte Darlehen in zweistelliger Millionenhöhe vertraglich zugesagt und zahlte sie trotz Nachfristsetzung nicht aus. Dieser eine fehlende Baustein reichte. Am 7. September 2026 stellte die paragon GmbH & Co. KGaA gemeinsam mit den Töchtern paragon electronic GmbH und paragon movasys GmbH beim Amtsgericht Paderborn Insolvenzanträge wegen Zahlungsunfähigkeit. Ein Unternehmen mit 161,6 Millionen Euro Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2023 und einer EBITDA-Marge von 15,4 Prozent im ersten Quartal 2025 scheiterte an einem einzigen geplatzten Deal. Die operative Lage war bis zuletzt stabil.

Was ist bei paragon am 7. September 2026 passiert?

paragon veröffentlichte am 7. September 2026 um 11:51 Uhr eine Ad-hoc-Mitteilung gemäß Artikel 17 der Marktmissbrauchsverordnung (MAR). Darin erklärte die Gesellschaft, dass die Insolvenzanträge unvermeidlich geworden seien, nachdem ein Investor trotz Nachfristsetzung seinen vertraglichen Pflichten zur Auszahlung von Darlehen in zweistelliger Millionenhöhe nicht nachgekommen sei. Aufgrund des endgültigen Scheiterns dieser Transaktion konnte paragon nicht sämtliche fälligen Verbindlichkeiten begleichen.

Die Insolvenzordnung (InsO) kennt drei Eröffnungsgründe: Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO, drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO und Überschuldung nach § 19 InsO. paragon berief sich ausschließlich auf Zahlungsunfähigkeit. Nach § 17 Abs. 2 InsO liegt dieser Grund vor, wenn der Schuldner fällige Zahlungspflichten dauerhaft nicht erfüllen kann. Ohne die zugesagten Darlehensmittel fehlte die Liquidität, um bestehende Verbindlichkeiten und Lieferantenzusagen zu bedienen.

Das Amtsgericht Paderborn ist als Insolvenzgericht zuständig, weil paragon seinen Sitz in Delbrück im Kreis Paderborn hat. Das Gericht bestellte nach Eingang der Anträge den Sanierungsexperten Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger in Stuttgart zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Welche Gesellschaften und Standorte sind von der Insolvenz betroffen?

Die Insolvenzanträge betreffen drei deutsche Gesellschaften: die börsennotierte paragon GmbH & Co. KGaA, die paragon electronic GmbH und die paragon movasys GmbH. Die paragon electronic GmbH ist dabei Tochtergesellschaft und fungiert zugleich als persönlich haftende Gesellschafterin der paragon GmbH & Co. KGaA, was die rechtliche Verflechtung beider Gesellschaften besonders eng macht.

Von den Insolvenzverfahren erfasst sind ausschließlich die deutschen Standorte. Die Auslandstöchter in Oroslavje (Kroatien) und Kunshan (China) sowie die Niederlassungen in Detroit (USA) und Bengaluru (Indien) stehen außerhalb des deutschen Verfahrens und sind laut den offiziellen Mitteilungen nicht betroffen.

An den sechs deutschen Standorten sind insgesamt 552 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, darunter 21 Auszubildende und Praktikantinnen bzw. Praktikanten. Die betroffenen Standorte sind:

  • Delbrück (Hauptsitz, Nordrhein-Westfalen)
  • Suhl (Thüringen)
  • Landsberg am Lech (Bayern)
  • Nürnberg (Bayern)
  • Limbach (Saarland)
  • St. Georgen (Baden-Württemberg)

Was macht paragon und wie war die wirtschaftliche Lage vor der Insolvenz?

paragon wurde im Jahr 1988 von Klaus Dieter Frers im Güterschuppen des ehemaligen Bahnhofs in Delbrück gegründet, zunächst als paragon electronic GmbH. Der Börsengang erfolgte im Jahr 2000; im Jahr 2018 wurde die damalige paragon AG in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Heute ist paragon im Prime Standard der Deutschen Börse AG in Frankfurt am Main gelistet, unter der ISIN DE0005558696 und der WKN 555869.

Das Unternehmen ist Direktlieferant der Automobilindustrie in drei Feldern: Automobilelektronik (Luftgütemanagement, Anzeige-Systeme, akustische High-End-Systeme), Karosserie-Kinematik und Elektromobilität. Im Jahr 2014 wurde die Sparte für Elektromobilität als Voltabox ausgegründet, deren Börsengang im Jahr 2017 erfolgte. Das Starterbatterien-Geschäft wurde vor dem Jahr 2025 veräußert.

Wie sahen die Finanzkennzahlen unmittelbar vor der Insolvenz aus?

Die verfügbaren Geschäftszahlen zeichnen ein Bild operativer Profitabilität bis zuletzt. Im Geschäftsjahr 2023 erzielte der Konzern Umsatzerlöse von 161,6 Millionen Euro, leicht über den 160,7 Millionen Euro des Vorjahres. Das EBITDA lag bei 25,7 Millionen Euro. Das Eigenkapital stieg von 4,2 Millionen Euro auf 8,4 Millionen Euro, und die Verbindlichkeiten sanken von 117,0 Millionen Euro auf 110,6 Millionen Euro (Quelle: Geschäftsbericht 2023).

Im ersten Quartal 2025 lagen die Umsatzerlöse bei 29,3 Millionen Euro, stabil gegenüber dem vierten Quartal 2024 mit 29,5 Millionen Euro. Das EBITDA stieg auf 4,5 Millionen Euro, die unbereinigte EBITDA-Marge auf 15,4 Prozent. Der Nettoverschuldungsgrad, also das Verhältnis von Nettofinanzschulden zum EBITDA, lag zum 31. März 2025 bei 3,11 (Quelle: Q1-Mitteilung 2025).

Nettoverschuldungsgrad
Nettofinanzschulden ÷ EBITDA

Ein Nettoverschuldungsgrad von 3,11 zeigt, dass paragon auf externe Finanzierung angewiesen war. Solange diese Finanzierung floss, war das Modell tragfähig. Als der Investor nicht zahlte, fehlte genau jener Baustein, der die Liquidität sichern sollte. Unternehmen, die sich in einer vergleichbaren Abhängigkeit von einzelnen Finanzierungszusagen befinden, sollten frühzeitig eine professionelle Insolvenzberatung in Anspruch nehmen, um ihre rechtliche Lage einschätzen zu lassen, bevor der Antragszwang eintritt.

Kennzahl Wert
Umsatzerlöse Konzern 2023 161,6 Millionen Euro
Umsatzerlöse Konzern 2022 160,7 Millionen Euro
EBITDA Konzern 2023 25,7 Millionen Euro
Eigenkapital 2022 4,2 Millionen Euro
Eigenkapital 2023 8,4 Millionen Euro
Verbindlichkeiten 2022 117,0 Millionen Euro
Verbindlichkeiten 2023 110,6 Millionen Euro
Umsatz Q1 2025 29,3 Millionen Euro
EBITDA Q1 2025 4,5 Millionen Euro
EBITDA-Marge Q1 2025 15,4 Prozent (unbereinigt)
Nettoverschuldungsgrad 31.03.2025 3,11

Wer leitet das Verfahren und welche Verfahrensart wurde angeordnet?

Das Amtsgericht Paderborn bestellte Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger in Stuttgart zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Diese Bezeichnung ist rechtlich bedeutsam: Die Insolvenzordnung unterscheidet zwischen dem vorläufigen Insolvenzverwalter nach § 22 InsO, der für das Regelinsolvenzverfahren typisch ist, und dem vorläufigen Sachwalter nach § 270a InsO, der bei einer Eigenverwaltung eingesetzt wird. Da alle offiziellen Mitteilungen ausdrücklich von einem „vorläufigen Insolvenzverwalter“ sprechen, spricht dies für ein Regelinsolvenzverfahren.

Ob das Unternehmen zusätzlich einen Antrag auf Eigenverwaltung nach § 270 ff. InsO oder ein Schutzschirmverfahren nach § 270b InsO gestellt hat, ist aus den verfügbaren Quellen nicht gesichert. Die Geschäftsführung erklärte öffentlich, von einer Fortführung der Geschäftstätigkeit auszugehen. Ob ein Insolvenzplan nach § 217 ff. InsO angestrebt wird, ist ebenfalls nicht dokumentiert.

Was bedeutet die Insolvenz für die rund 552 Beschäftigten?

Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten an den deutschen Standorten sind bis Anfang November durch Insolvenzgeld gesichert. Insolvenzgeld ist eine Leistung der Bundesagentur für Arbeit nach §§ 165 ff. SGB III. Es sichert das Nettoarbeitsentgelt für bis zu drei Monate vor dem Insolvenzereignis, also vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, der Abweisung mangels Masse oder der vollständigen Betriebseinstellung.

Für die 21 Auszubildenden und Praktikantinnen bzw. Praktikanten gelten die allgemeinen Regeln des Insolvenzgeldes ebenfalls. Darüber hinaus sind im Insolvenzfall besondere Regelungen zur Fortführung oder Kündigung von Ausbildungsverhältnissen zu beachten, die sich aus dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) ergeben.

Wie beantragen Beschäftigte Insolvenzgeld?

Der Antrag auf Insolvenzgeld ist bei der zuständigen Agentur für Arbeit zu stellen. Die Frist beträgt zwei Monate nach dem Insolvenzereignis. Wer diese Frist versäumt, verliert seinen Anspruch. Rasch handeln ist daher keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit.

Für Beschäftigte, die jetzt handeln müssen, sind mehrere Schritte besonders wichtig. Lohnabrechnungen und Nachweise über ausstehende Entgelte sollten sorgfältig aufbewahrt werden. Der Kontakt zum Betriebsrat oder zur zuständigen Gewerkschaft hilft, über den Stand des Verfahrens informiert zu bleiben. Auszubildende sollten zusätzlich prüfen, ob ihr Ausbildungsverhältnis fortgeführt oder gekündigt wird. Im Überblick sind folgende Schritte entscheidend:

  • Antrag auf Insolvenzgeld bei der zuständigen Agentur für Arbeit stellen und die Zweimonatsfrist einhalten
  • Lohnabrechnungen und Nachweise über ausstehende Entgelte sorgfältig aufbewahren
  • Kontakt zum Betriebsrat oder zur zuständigen Gewerkschaft aufnehmen
  • Informationen des vorläufigen Insolvenzverwalters zu Betriebsversammlungen aktiv verfolgen
  • Auszubildende sollten zusätzlich prüfen, ob ihr Ausbildungsverhältnis fortgeführt oder gekündigt wird

Was müssen Gläubiger und Zulieferer jetzt tun?

Gläubiger müssen ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden. Die Anmeldefrist und die Anmeldeadresse werden vom Amtsgericht Paderborn im Eröffnungsbeschluss öffentlich bekannt gemacht, in der Regel über das Insolvenzbekanntmachungsportal des Bundes. Wer seine Forderung nicht rechtzeitig anmeldet, riskiert, bei der Verteilung der Insolvenzmasse übergangen zu werden.

Zulieferer, die paragon beliefern oder beliefert haben, sollten zwei Dinge sofort klären: ob der vorläufige Insolvenzverwalter laufende Lieferverträge ausdrücklich bestätigt, und ob offene Forderungen aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag vollständig dokumentiert sind. Nur was angemeldet ist, kann berücksichtigt werden.

Welche Forderungen haben im Insolvenzverfahren Vorrang?

Die Insolvenzordnung kennt eine klare Rangfolge. Masseverbindlichkeiten nach § 55 InsO, also Verbindlichkeiten, die der Insolvenzverwalter nach Verfahrenseröffnung selbst begründet, werden vorrangig aus der Insolvenzmasse bedient. Insolvenzforderungen aus der Zeit vor der Antragstellung werden nach der Rangfolge der §§ 38 ff. InsO befriedigt, typischerweise quotal und erst nach Abdeckung der Masseverbindlichkeiten.

Für Lieferanten, die nach Verfahrenseröffnung weiterliefern wollen, ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: Jede weitere Lieferung sollte nur gegen ausdrückliche schriftliche Bestätigung des Insolvenzverwalters erfolgen. Nur dann entsteht eine Masseverbindlichkeit, die vorrangig bedient wird. Lieferungen ohne diese Bestätigung begründen lediglich eine einfache Insolvenzforderung.

Kann ein insolventes Unternehmen weitergeführt werden?

Ja. Die Insolvenzordnung sieht die Betriebsfortführung im Eröffnungsverfahren ausdrücklich vor. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat die Aufgabe, die Insolvenzmasse zu sichern und den Betrieb aufrechtzuerhalten, sofern dies wirtschaftlich sinnvoll ist. paragon selbst geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Geschäftstätigkeit nach Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters fortgeführt wird.

Dass eine Sanierung im Insolvenzverfahren gelingen kann, hat paragon bereits einmal bewiesen. Im Jahr 2009 geriet die damalige Paragon AG in eine Liquiditätskrise und durchlief ein Insolvenzverfahren, das nach Wikipedia als Planinsolvenz in Eigenregie bezeichnet wird. Mitte 2010 wurde das Verfahren abgeschlossen; drei Monate später konsolidierte sich das Unternehmen durch Eingliederung einer Tochtergesellschaft, und in Delbrück entstanden zwei weitere Produktionsstätten.

Welche Szenarien sind im weiteren Verfahren denkbar?

Welcher Weg eingeschlagen wird, hängt von der Qualität der Auftragsbücher, der Bereitschaft der OEM-Kunden zur Weiterbelieferung und dem Interesse potenzieller Investoren ab. Die Insolvenzordnung eröffnet grundsätzlich drei Wege, die sich in ihrer Wirkung für Gläubiger und Beschäftigte erheblich unterscheiden.

Welches Szenario angestrebt wird, ist aus den verfügbaren Quellen nicht gesichert. Die öffentlichen Mitteilungen betonen die Fortführungsabsicht, ohne ein konkretes Ziel zu nennen. Die drei möglichen Verfahrenswege lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Übertragende Sanierung: Der Betrieb oder Teile davon werden an einen Investor verkauft, der den Betrieb außerhalb des Insolvenzverfahrens fortführt
  • Insolvenzplan nach § 217 ff. InsO: Gläubiger und Schuldner einigen sich auf eine abweichende Befriedigung der Forderungen und eine unternehmerische Sanierung
  • Liquidation: Das Unternehmen wird geordnet abgewickelt und die Masse an die Gläubiger verteilt

Was ist über den weiteren Zeitplan des Verfahrens bekannt?

Der Insolvenzantrag wurde am 7. September 2026 gestellt. Nach Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters folgt im Regelverfahren die förmliche Eröffnung durch das Amtsgericht Paderborn. Mit dem Eröffnungsbeschluss werden ein Berichtstermin und eine erste Gläubigerversammlung festgesetzt, bei der der Insolvenzverwalter über die wirtschaftliche Lage berichtet und die Gläubiger über das weitere Vorgehen entscheiden.

Zu einer möglichen Entscheidung vom 7. Oktober 2026, die in einigen Quellen erwähnt wird, liegen keine gesicherten Informationen vor. Das Aktenzeichen des Verfahrens beim Amtsgericht Paderborn ist in den öffentlich zugänglichen Quellen ebenfalls nicht dokumentiert. Aktuelle Informationen veröffentlicht das Insolvenzgericht über das Insolvenzbekanntmachungsportal des Bundes unter www.insolvenzbekanntmachungen.de.

Wie wirkt Insolvenzgeld für Beschäftigte in der Praxis?

Ein Beispiel verdeutlicht, wie das Insolvenzgeld für Beschäftigte wirkt und warum die Antragsfrist entscheidend ist.

Angenommen, ein Mitarbeiter bei einem von der Insolvenz betroffenen Standort hat in den drei Monaten vor dem Insolvenzereignis ein monatliches Nettoentgelt von 2.800 Euro bezogen. Sein Arbeitgeber konnte die Löhne für August und September 2026 nicht mehr auszahlen; das Insolvenzereignis tritt mit Eröffnung des Verfahrens ein. Der Beschäftigte stellt innerhalb der Zweimonatsfrist einen Antrag auf Insolvenzgeld bei der zuständigen Agentur für Arbeit. Die Bundesagentur erstattet das Nettoarbeitsentgelt für die drei Monate der Insolvenzgeldzeit, also für Juli, August und September 2026.

Insolvenzgeld gesamt
Monatliches Nettoentgelt × Anzahl der Monate der Insolvenzgeldzeit
Bezeichnung Betrag
Monatliches Nettoentgelt 2.800 Euro
Insolvenzgeldzeit (3 Monate) 3 Monate
Insolvenzgeld gesamt 8.400 Euro

Verpasst der Beschäftigte die Zweimonatsfrist nach dem Insolvenzereignis, erlischt der Anspruch. Ausstehende Entgeltansprüche werden dann nur noch als einfache Insolvenzforderung nach § 38 InsO behandelt, auf die im Regelfall allenfalls eine Quote ausgezahlt wird.

Dr. Volker Furch
Fachlich geprüft

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Häufige Fragen zur paragon-Insolvenz 2026

Warum wurde paragon insolvent?

Der unmittelbare Auslöser war ein geplatzter Finanzierungsdeal. Ein Investor hatte Darlehen in zweistelliger Millionenhöhe vertraglich zugesagt, zahlte diese aber trotz Nachfristsetzung nicht aus. Ohne diese Mittel konnte paragon seine fälligen Verbindlichkeiten und Lieferantenzusagen nicht mehr erfüllen. Strukturelle operative Verluste oder eine branchenweite Schwäche werden in den offiziellen Mitteilungen nicht als Ursache genannt.

Wie hoch ist der Umsatz von paragon in Delbrück?

Eine standortbezogene Umsatzaufschlüsselung veröffentlicht paragon nicht. Die verfügbaren Geschäftsberichte weisen ausschließlich Konzernumsätze aus. Im Geschäftsjahr 2023 lagen diese bei 161,6 Millionen Euro für den gesamten Konzern. Wie viel davon auf den Hauptsitz Delbrück entfällt, lässt sich aus den öffentlich zugänglichen Quellen nicht ableiten.

Sind alle paragon-Standorte von der Insolvenz betroffen?

Nein. Die Insolvenzanträge betreffen ausschließlich die deutschen Gesellschaften und deren Standorte in Delbrück, Suhl, Landsberg am Lech, Nürnberg, Limbach und St. Georgen. Die Auslandstöchter in Kroatien (Oroslavje) und China (Kunshan) sowie die Niederlassungen in Detroit und Bengaluru sind laut den offiziellen Mitteilungen nicht von den Insolvenzverfahren erfasst.

Was passiert mit den Gehältern der Beschäftigten?

Die Löhne und Gehälter der rund 550 Beschäftigten in Deutschland sind bis Anfang November durch Insolvenzgeld gesichert. Insolvenzgeld ist eine Leistung der Bundesagentur für Arbeit nach §§ 165 ff. SGB III und ersetzt das Nettoarbeitsentgelt für bis zu drei Monate vor dem Insolvenzereignis. Beschäftigte müssen den Antrag innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis bei der zuständigen Agentur für Arbeit stellen.

Wer ist vorläufiger Insolvenzverwalter bei paragon?

Das Amtsgericht Paderborn bestellte den Sanierungsexperten Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger in Stuttgart zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die paragon GmbH & Co. KGaA, die paragon electronic GmbH und die paragon movasys GmbH. Seine Aufgabe ist es, die Insolvenzmasse zu sichern, die wirtschaftliche Lage zu prüfen und die Geschäftstätigkeit im Eröffnungsverfahren aufrechtzuerhalten.

Hat paragon schon früher eine Insolvenz durchlaufen?

Ja. Im Jahr 2009 geriet die damalige Paragon AG in eine Liquiditätskrise und durchlief ein Insolvenzverfahren, das als Planinsolvenz in Eigenregie beschrieben wird. Mitte 2010 wurde dieses Verfahren erfolgreich abgeschlossen. Anschließend baute das Unternehmen seine Produktionsstandorte in Delbrück weiter aus und setzte seinen Wachstumskurs fort.

Was sollten Lieferanten von paragon jetzt tun?

Lieferanten sollten offene Forderungen aus der Zeit vor dem 7. September 2026 vollständig dokumentieren und zur Insolvenztabelle anmelden, sobald das Amtsgericht Paderborn die Anmeldefrist im Eröffnungsbeschluss bekanntgibt. Wer nach Verfahrenseröffnung weiterliefern möchte, sollte dies nur gegen ausdrückliche schriftliche Bestätigung des Insolvenzverwalters tun, um eine vorrangig zu befriedigende Masseverbindlichkeit nach § 55 InsO zu begründen.

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