Liquiditätskredit: Definition, Beispiel & Zinssatz
Wer die Miete nicht mehr aus eigenen Mitteln zahlen kann, steht vor einem Liquiditätsengpass – und damit vor der Frage, welcher Kredit jetzt der richtige ist. Staatliche Förderbanken halten dafür eigene Programme bereit, die sich in Zinssatz, Laufzeit und Besicherung erheblich unterscheiden.

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Wer die Miete nicht mehr aus eigenen Mitteln zahlen kann, steht vor einem Liquiditätsengpass und damit vor der Frage, welcher Kredit jetzt der richtige ist. Ein Kontokorrentrahmen ist oft zu teuer, ein klassischer Investitionskredit kommt nicht in Betracht. Genau hier setzt der Liquiditätskredit an. Er ist kein gesetzlich definierter Begriff, aber ein in der Praxis fest verankertes Instrument, das Förderbanken, Kommunen und Unternehmen seit Jahren nutzen, um Zahlungsfähigkeit zu sichern.
Was ist ein Liquiditätskredit und wofür wird er eingesetzt?
Eine gesetzliche Legaldefinition des Begriffs „Liquiditätskredit“ existiert nicht. Weder das Bürgerliche Gesetzbuch noch die Insolvenzordnung verwenden ihn als normierten Begriff. Die fachliche Herleitung erfolgt deshalb aus institutionellen Quellen. Das finanzwissenschaftliche Lexikon von HaushaltsSteuerung.de beschreibt den Liquiditätskredit als Begriff der öffentlichen Haushaltswirtschaft und definiert ihn als aufgenommene Schulden zur Deckung eines kurzfristigen Bedarfs an liquiden Mitteln. Vereinfachend wird dort auch vom „Dispokredit“ gesprochen.
Förderbanken greifen denselben Kern auf, richten ihn aber auf Unternehmen aus. Die L-Bank Baden-Württemberg beschreibt ihren Liquiditätskredit ausdrücklich als Förderdarlehen, mit dem mittelständische Unternehmen ihren Liquiditätsbedarf decken können. Die NBank Niedersachsen formulierte als Förderzweck die „Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit“ und die „Finanzierung von Betriebsmitteln“. Beide Definitionen treffen denselben Punkt: Ein Liquiditätskredit schließt eine Liquiditätslücke durch Kreditaufnahme.
Einsatzbereiche vom Liquiditätskredit
Die Einsatzbereiche sind in den Programmbeschreibungen von L-Bank, NBank und IBB klar abgesteckt. Ein Liquiditätsengpass liegt laut den FAQ-Unterlagen der NBank vor, wenn die vorhandenen liquiden Mittel nicht ausreichen, um fällige Zahlungsverpflichtungen wie Mieten, Kredite für Betriebsräume oder Leasingraten fristgerecht zu bedienen, selbst wenn alle Eigen- und Fremdmittel eingesetzt werden.
Die Programmunterlagen der verschiedenen Förderbanken nennen folgende förderfähige Zwecke:
- Betriebsmittelfinanzierung und Deckung laufender Betriebskosten
- Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe
- Konsolidierung und Umstrukturierung
- Betriebsübernahmen
- Auftragsvorfinanzierung und Ausgleich von Forderungsausfällen
Unterschied zwischen Liquiditätskredit und Investitionskredit
Die L-Bank zieht in ihrer Produktbeschreibung eine eindeutige Linie: Ihr Liquiditätskredit ist ausdrücklich kein Investitionsförderprogramm. Langfristige Investitionsgüter wie Maschinen oder Betriebsgebäude können darüber nicht finanziert werden. Wer solche Vorhaben plant, braucht ein anderes Instrument.
Diese Abgrenzung ist praktisch wichtig. Ein Unternehmen, das einen Maschinenpark erneuern will, aber gleichzeitig einen Liquiditätsengpass hat, muss beide Finanzierungsbedarfe getrennt angehen. Der Liquiditätskredit löst das Liquiditätsproblem. Für die Maschinen braucht es einen Investitionskredit.
Zivilrechtliche Grundlage und insolvenzrechtlicher Hintergrund
Zivilrechtlich ist der Liquiditätskredit ein Darlehensvertrag nach §§ 488 ff. BGB. Für Unternehmen als Darlehensnehmer ist § 489 BGB relevant: Bei einem Darlehen mit gebundenem Sollzinssatz kann der Darlehensnehmer nach Ablauf von zehn Jahren nach vollständigem Empfang des Darlehens mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Bei einem veränderlichen Zinssatz ist die Kündigung jederzeit mit drei Monaten Frist möglich. Das Kündigungsrecht kann vertraglich nicht ausgeschlossen werden.
Im insolvenzrechtlichen Umfeld spielen §§ 17 und 18 InsO eine Rolle. § 17 InsO definiert Zahlungsunfähigkeit als allgemeinen Eröffnungsgrund: Zahlungsunfähig ist, wer fällige Zahlungspflichten nicht mehr erfüllen kann. § 18 InsO regelt die drohende Zahlungsunfähigkeit als Eröffnungsgrund auf Eigenantrag; der Prognosezeitraum beträgt laut Satz 2 des Absatzes 2 in aller Regel 24 Monate. Die Förderprogramme selbst verwenden nicht diese gesetzlichen Begriffe, sondern eigene Formulierungen wie „Liquiditätsengpass“ oder „Unternehmen in Schwierigkeiten“. Eine direkte Verknüpfung zwischen Programmdefinition und § 18 InsO ist in den Unterlagen nicht dokumentiert.
Welche staatlichen Förderprogramme für Liquiditätskredite gibt es?
Das Angebot reicht von Corona-Sonderprogrammen für kleine Unternehmen bis zu Dauerfinanzierungen für mittelständische Betriebe und Kommunalkrediten. Zwei Programme sind inzwischen ausgelaufen: der Niedersachsen-Liquiditätskredit der NBank und das Li-GO-Programm der L-Bank für gemeinnützige Organisationen nehmen keine Neuanträge mehr an. Die Programme der L-Bank für Unternehmen und Landwirtschaft, die Liquiditätshilfen BERLIN der IBB sowie der LfA-Universalkredit Bayern stehen zum Stand der hier ausgewerteten Quellen weiterhin zur Verfügung.
Ein Blick auf die wichtigsten Programme zeigt, wie unterschiedlich die Ausgestaltung ausfällt.
Niedersachsen-Liquiditätskredit der NBank
Das Programm richtete sich an kleine Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten und Freiberufler in Niedersachsen, die coronabedingt in einen Liquiditätsengpass geraten waren. Auch Start-ups bis fünf Jahre waren förderfähig, sofern sie der Definition des Bundesverbandes der Start-up-Unternehmen entsprachen. Unternehmen, die vor dem 31. Dezember 2019 die Voraussetzungen für ein Insolvenzverfahren auf Gläubigerantrag erfüllten, waren ausgeschlossen.
Die Konditionen waren klar geregelt: Darlehen zwischen 5.000 und 50.000 Euro, Laufzeit zehn Jahre, die ersten zwei Jahre zins- und tilgungsfrei. In den Hinweisen vom 28. Januar 2022 teilte die NBank mit, dass die Weiterführung zu einem Zinssatz von 3 Prozent p.a. angeboten werde. Dieser Zinssatz sei nicht verhandelbar. Der Kredit musste innerhalb von acht Jahren nach der tilgungsfreien Phase zurückgezahlt sein; eine Laufzeitverlängerung war nicht möglich. Sicherheiten wurden nicht verlangt, eine Bearbeitungsgebühr gab es nicht. Sondertilgungen waren jederzeit ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Das Programm ist ausgelaufen; neue Anträge werden nicht mehr angenommen.
Liquiditätskredit der L-Bank für mittelständische Unternehmen
Dieses Programm richtet sich an mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg mit Liquiditätsbedarf für Betriebsmittel, Konsolidierungen oder Betriebsübernahmen. Investitionen in langfristig genutzte Güter sind ausdrücklich ausgeschlossen.
Die Kredithöhe liegt zwischen 10.000 und 5 Millionen Euro; höhere Beträge sind möglich. Laufzeiten von 4, 5, 6, 8, 10 oder 20 Jahren stehen zur Wahl, mit tilgungsfreien Zeiträumen von 0 bis 3 Jahren. Die Sollzinsbindung entspricht der Laufzeit, ist aber auf maximal zehn Jahre begrenzt. Laut der Konditionenübersicht der L-Bank beträgt der Sollzins bei zehn Jahren Laufzeit, zwei tilgungsfreien Jahren und Preisklasse A derzeit 4,48 Prozent p.a.; der effektive Jahreszins liegt bei 4,76 Prozent. Ab dem vierten Monat nach Kreditzusage fällt ein Bereitstellungszins von 0,15 Prozent pro Monat auf noch nicht ausgezahlte Beträge an. Die jeweils aktuellen Zinssätze sind unter www.l-bank.de/konditionen abrufbar und werden regelmäßig aktualisiert.
Liquiditätshilfen BERLIN der IBB
Die IBB richtet ihr Programm an KMU mit Betriebsstätte in Berlin, deren Existenzgründungsphase abgeschlossen ist. Gefördert werden Unternehmen in Schwierigkeiten, die aufgrund von Forderungsausfällen, Umsatzeinbrüchen oder Auftragsvorfinanzierung einen Liquiditätsengpass haben. Voraussetzung ist ein tragfähiges Sanierungskonzept, das die nachhaltige Renditefähigkeit belegt. Außerdem gilt das Subsidiaritätsprinzip: Die Mittel dürfen erst eingesetzt werden, wenn alle anderen verfügbaren Finanzierungsquellen ausgeschöpft sind. Eine wesentliche Kofinanzierung durch Gesellschafter oder Geschäftsbanken ist erforderlich.
Die Darlehenshöhe beträgt bis zu einer Million Euro, in Ausnahmefällen bis zu 2,5 Millionen Euro. Der Zinssatz orientiert sich am Kapitalmarktzins; die IBB berechnet einen Refinanzierungszins zuzüglich einer Marge. Die Laufzeit hängt von der Beihilfeart ab: Rettungsbeihilfen laufen höchstens sechs Monate, vorübergehende Umstrukturierungshilfen höchstens 18 Monate, Umstrukturierungsbeihilfen in der Regel bis zu fünf Jahre, davon zwei Jahre tilgungsfrei.
Weitere Programme im Überblick
Neben den drei genannten Hauptprogrammen gibt es weitere relevante Instrumente, die je nach Unternehmensstandort und -typ in Betracht kommen.
Für Bayern, Nordrhein-Westfalen und die Landwirtschaft in Baden-Württemberg gelten folgende Eckdaten aus den Programmunterlagen:
- LfA-Universalkredit Bayern: Für Unternehmen bis 500 Millionen Euro Jahresumsatz und Freiberufler; bis zu 10 Millionen Euro; Laufzeit 3 bis 20 Jahre; zinsvergünstigt; Haftungsfreistellung bis 80 Prozent für Darlehen bis 4 Millionen Euro; Bürgschaftssatz bis 90 Prozent für Betriebsmittel- und Umstrukturierungszwecke; Bürgschaften bis 30 Millionen Euro möglich.
- NRW.BANK Kommunal: Liquiditätskredite für Kommunen zum Ausgleich von Einnahme- und Ausgabedifferenzen; Laufzeit bis zehn Jahre; endfällig mit Festzins.
- L-Bank Landwirtschaft: 5.000 bis 25 Millionen Euro; Laufzeit sechs oder zehn Jahre; Bereitstellungszins ab der siebten Woche; Sondertilgungen in der Regel ausgeschlossen.
Welche Konditionen gelten für einen Liquiditätskredit?
Laufzeiten, Zinssätze, Tilgungsmodalitäten und Besicherungsanforderungen variieren zwischen den Programmen erheblich. Ein direkter Vergleich ist deshalb unerlässlich, bevor ein Antrag gestellt wird. Wer nur auf den Zinssatz schaut, übersieht möglicherweise, dass ein Programm Sondertilgungen ausschließt oder eine Kofinanzierung verlangt.
Die folgende Tabelle fasst die in den Programmunterlagen dokumentierten Eckdaten zusammen:
| Programm | Kredithöhe | Laufzeit | Zinssatz | Sicherheiten | Status |
|---|---|---|---|---|---|
| Niedersachsen-Liquiditätskredit (NBank) | 5.000–50.000 € | 10 Jahre, 2 Jahre zins- und tilgungsfrei | 0 % (Jahr 1–2); 3 % p.a. ab Jahr 3, nicht verhandelbar | Keine; Selbstauskunft ausreichend | Ausgelaufen |
| Liquiditätskredit Unternehmen (L-Bank) | 10.000 €–5 Mio. €, höhere Beträge möglich | 4–20 Jahre, 0–3 Jahre tilgungsfrei | Z. B. 4,48 % p.a. Sollzins (Preisklasse A, 10 J. / 2 tilgungsfrei), eff. 4,76 % | In Auszügen nicht konkretisiert | Laufend |
| Li GO – Gemeinnützige Organisationen (L-Bank) | 5.000–800.000 € | 10 Jahre, 2 Jahre tilgungsfrei | 0,80 % p.a. einheitlich | Keine; 100 % Haftungsfreistellung für Hausbank | Seit 30.04.2022 geschlossen |
| Landwirtschaft – Liquiditätssicherung (L-Bank) | 5.000–25 Mio. € | 6 oder 10 Jahre, 0 oder 1 Jahr tilgungsfrei | Laut Konditionenübersicht l-bank.de/konditionen | In Auszügen nicht konkretisiert | Laufend |
| Liquiditätshilfen BERLIN (IBB) | Bis 1 Mio. €, Ausnahmen bis 2,5 Mio. € | Rettungsbeihilfe bis 6 Monate; Umstrukturierungsbeihilfe bis 5 Jahre, 2 tilgungsfrei | Kapitalmarktorientiert; Refinanzierungszins zzgl. Marge | Kofinanzierung erforderlich; Subsidiaritätsprinzip | Laufend |
| LfA-Universalkredit (Bayern) | Bis 10 Mio. € | 3–20 Jahre | Zinsvergünstigt; konkrete Sätze nicht veröffentlicht | Haftungsfreistellung bis 80 %; Bürgschaft bis 90 % | Laufend |
| NRW.BANK Kommunal | Nicht beziffert | Bis 10 Jahre, endfällig | Festzins; konkrete Sätze nicht veröffentlicht | In Auszügen nicht konkretisiert | Laufend |
Zinssätze und Sollzinsbindung im Vergleich
Die Bandbreite reicht von null Prozent in der tilgungsfreien Phase des Niedersachsen-Liquiditätskredits bis zu rund 4 bis 5 Prozent p.a. bei den laufenden L-Bank-Programmen. Das Li-GO-Programm bot mit 0,80 Prozent p.a. einen historisch günstigen Satz, der auf den Niedrigzinskontext seiner Entstehungszeit zurückgeht. Die IBB und der LfA-Universalkredit orientieren sich am Kapitalmarktzins, ohne in den hier ausgewerteten Unterlagen konkrete Prozentwerte zu nennen.
Für den L-Bank-Liquiditätskredit gilt: Die Zinssätze werden regelmäßig aktualisiert und sind ausschließlich unter www.l-bank.de/konditionen in der jeweils aktuellen Konditionenübersicht abzulesen. Die hier genannten Werte beziehen sich auf die in der Quelle dokumentierte Fassung und können sich geändert haben.
Tilgung, Sondertilgung und Vorfälligkeitsentschädigung
Tilgungsfreie Anfangsphasen sind bei Liquiditätskrediten weit verbreitet. Sie reduzieren die unmittelbare Belastung und geben dem Unternehmen Zeit zur Stabilisierung. Der Niedersachsen-Liquiditätskredit und das Li-GO-Programm sahen jeweils zwei tilgungsfreie Jahre vor. Die L-Bank erlaubt beim Unternehmenskredit bis zu drei tilgungsfreie Jahre, bei den IBB-Umstrukturierungsbeihilfen sind ebenfalls zwei tilgungsfreie Jahre vorgesehen.
Bei Sondertilgungen gibt es deutliche Unterschiede. Der Niedersachsen-Liquiditätskredit und das Li-GO-Programm erlaubten jederzeitige Rückzahlung ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das Landwirtschaftsprogramm der L-Bank schließt Sondertilgungen in der Regel aus. Für den L-Bank-Unternehmenskredit und die IBB-Hilfen enthalten die ausgewerteten Unterlagen keine expliziten Angaben zu Sondertilgungsrechten.
Besicherung und Haftungsfreistellungen
Die Besicherungsanforderungen sind stark programmabhängig. Der Niedersachsen-Liquiditätskredit verlangte keine Sicherheiten; eine Selbstauskunft über die Vermögenssituation war ausreichend. Das Li-GO-Programm verlangte ebenfalls keine Besicherung und stellte die Hausbank zu 100 Prozent von der Haftung frei. Das bedeutet: Die Hausbank trägt kein Ausfallrisiko, was die Vergabebereitschaft erhöht.
Der LfA-Universalkredit arbeitet mit einer 80-prozentigen Haftungsfreistellung für Darlehen bis 4 Millionen Euro, die bankmäßig nicht ausreichend abgesichert werden können. Für Bürgschaften gilt ein Bürgschaftssatz von bis zu 90 Prozent des Kreditbetrags bei Betriebsmittel-, Rettungs- und Umstrukturierungszwecken. Bürgschaften übernimmt die LfA bis zu einem Betrag von 30 Millionen Euro; darüber sind Staatsbürgschaften möglich.
Wer kann einen Liquiditätskredit beantragen?
Die Zielgruppen sind je nach Programm eng gefasst. Ein Berliner KMU, das ein Sanierungskonzept vorlegt, kommt für die IBB-Hilfen in Betracht. Ein mittelständisches Unternehmen in Baden-Württemberg mit Betriebsmittelbedarf wendet sich an die L-Bank. Ein Freiberufler in Bayern mit Liquiditätsproblemen prüft den LfA-Universalkredit. Die Programme sind nicht übertragbar; der regionale Bezug ist in allen Fällen Fördervoraussetzung.
Die folgende Übersicht zeigt, welche Zielgruppen die einzelnen Programme ansprechen:
- Kleine Unternehmen bis 10 Beschäftigte und Freiberufler in Niedersachsen: Niedersachsen-Liquiditätskredit (ausgelaufen)
- Mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg: L-Bank Liquiditätskredit Unternehmen
- Gemeinnützige Organisationen in Baden-Württemberg: Li GO (seit 30. April 2022 geschlossen)
- Landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg: L-Bank Landwirtschaft – Liquiditätssicherung
- KMU mit Betriebsstätte in Berlin: Liquiditätshilfen BERLIN der IBB
- Unternehmen bis 500 Mio. Euro Jahresumsatz und Freiberufler in Bayern: LfA-Universalkredit
- Kommunen in Nordrhein-Westfalen: NRW.BANK Kommunal
Ausschlussgründe und insolvenznahe Situationen
Programme, die auf Krisenprävention ausgerichtet sind, schließen Unternehmen aus, die bereits insolvenzrechtlich belastet sind. Der Niedersachsen-Liquiditätskredit förderte keine Unternehmen, die sich in einem laufenden Insolvenzverfahren befanden oder die vor dem 31. Dezember 2019 die Voraussetzungen für ein Insolvenzverfahren auf Gläubigerantrag erfüllten. Das Li-GO-Programm verlangte geordnete wirtschaftliche Verhältnisse zum 31. Dezember 2019 und schloss Antragsteller mit Negativmerkmalen in Auskunfteien aus.
Anders verhält es sich bei den Berliner Liquiditätshilfen und dem LfA-Bürgschaftsprogramm. Diese richten sich ausdrücklich an Unternehmen in Schwierigkeiten und sehen Rettungs- sowie Umstrukturierungsbeihilfen vor. Voraussetzung ist dort ein tragfähiges Sanierungskonzept, das die nachhaltige Renditefähigkeit des Unternehmens belegt. Wer sich in einer solchen Situation befindet, sollte frühzeitig prüfen, ob die Voraussetzungen des § 18 InsO zur drohenden Zahlungsunfähigkeit bereits erfüllt sind. Ab diesem Punkt besteht ein Eigenantragsrecht und damit Zugang zu Sanierungsinstrumenten, die bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO nicht mehr in gleicher Weise zur Verfügung stehen. Eine strukturierte Liquiditätsplanung und professionelle Steuerung des Cashflows kann helfen, diesen Zeitpunkt rechtzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Kombination mit anderen Förderprogrammen
Beim Niedersachsen-Liquiditätskredit war die Kombination mit anderen öffentlichen Förderprogrammen grundsätzlich möglich, solange die Summe der öffentlichen Förderzusagen die Summe der förderfähigen Aufwendungen nicht überstieg. Die Berliner Liquiditätshilfen unterliegen dem Subsidiaritätsprinzip: Sie dürfen erst eingesetzt werden, wenn alle anderen Finanzierungsquellen ausgeschöpft sind. Eine wesentliche Kofinanzierung durch Gesellschafter oder Geschäftsbanken ist dort Pflicht.
Für die L-Bank-Programme und den LfA-Universalkredit enthalten die ausgewerteten Unterlagen keine expliziten Regelungen zur Kombinierbarkeit. Wer mehrere Programme parallel in Betracht zieht, sollte die jeweiligen Programmhinweise sorgfältig prüfen und im Zweifel die Förderbank direkt befragen.
Was bedeutet das für Unternehmen in einer Krise?
Ein Liquiditätskredit ist kein Allheilmittel. Er schafft Zeit, löst aber keine strukturellen Probleme. Wer einen Umsatzeinbruch mit einem Förderdarlehen überbrückt, ohne die Ursache zu beheben, verschiebt das Problem. Das ist manchmal richtig, wenn die Krise extern verursacht ist und das Geschäftsmodell trägt. Es ist falsch, wenn das Unternehmen strukturell nicht mehr wettbewerbsfähig ist.
Die IBB verlangt aus gutem Grund ein Sanierungskonzept, das die nachhaltige Renditefähigkeit belegt. Dieser Ansatz ist sachgerecht. Ein Liquiditätskredit ohne Sanierungsplan ist eine Wette auf Zeit. Wer früh handelt, hat mehr Optionen: Die drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO eröffnet ein Eigenantragsrecht und damit Zugang zu Sanierungsinstrumenten, die bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO nicht mehr in gleicher Weise zur Verfügung stehen. Der Liquiditätskredit kann in diesem Kontext ein sinnvoller Baustein sein, er ersetzt die strategische Analyse aber nicht.

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Häufige Fragen zum Liquiditätskredit
Was ist der Unterschied zwischen einem Liquiditätskredit und einem Investitionskredit?
Ein Liquiditätskredit dient der Deckung eines kurzfristigen oder mittelfristigen Liquiditätsbedarfs, etwa für Betriebsmittel, Mieten, Leasingraten oder Konsolidierungsmaßnahmen. Ein Investitionskredit finanziert langfristige Investitionsgüter wie Maschinen oder Betriebsgebäude. Die L-Bank hält in ihrer Produktbeschreibung ausdrücklich fest, dass ihr Liquiditätskredit kein Investitionsförderprogramm ist und solche Güter darüber nicht finanziert werden können.
Welcher Zinssatz gilt für den Liquiditätskredit der L-Bank?
Die Zinssätze werden von der L-Bank regelmäßig aktualisiert und sind unter www.l-bank.de/konditionen abrufbar. Laut der in den Quellen dokumentierten Konditionenübersicht beträgt der Sollzins bei zehn Jahren Laufzeit, zwei tilgungsfreien Jahren und Preisklasse A 4,48 Prozent p.a.; der effektive Jahreszins liegt bei 4,76 Prozent. Für andere Laufzeiten und Preisklassen gelten abweichende Sätze.
Kann ein Unternehmen in einem laufenden Insolvenzverfahren einen Liquiditätskredit beantragen?
Bei den meisten präventiven Förderprogrammen ist das ausgeschlossen. Der Niedersachsen-Liquiditätskredit schloss Unternehmen in einem laufenden Insolvenzverfahren ausdrücklich aus. Die Berliner Liquiditätshilfen der IBB sind dagegen auf Unternehmen in Schwierigkeiten ausgerichtet und sehen Rettungs- sowie Umstrukturierungsbeihilfen vor, verlangen aber ein tragfähiges Sanierungskonzept und eine wesentliche Kofinanzierung.
Sind Sondertilgungen bei einem Liquiditätskredit möglich?
Das hängt vom jeweiligen Programm ab. Der Niedersachsen-Liquiditätskredit und das Li-GO-Programm erlaubten jederzeitige Sondertilgungen ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das Landwirtschaftsprogramm der L-Bank schließt Sondertilgungen in der Regel aus. Für den L-Bank-Unternehmenskredit und die IBB-Hilfen enthalten die ausgewerteten Unterlagen keine expliziten Angaben; hier empfiehlt sich eine direkte Rückfrage bei der Förderbank.
Wann liegt ein Liquiditätsengpass im Sinne der Förderprogramme vor?
Die NBank hat in ihren FAQ-Unterlagen zum Niedersachsen-Liquiditätskredit eine klare Definition gegeben: Ein Liquiditätsengpass liegt vor, wenn die vorhandenen liquiden Mittel nicht ausreichen, um kurzfristige Zahlungsverpflichtungen wie Mieten, Kredite für Betriebsräume oder Leasingraten fristgerecht zu erfüllen, selbst wenn alle Eigen- und Fremdmittel eingesetzt werden. Diese Programmdefinition ist verwandt mit dem insolvenzrechtlichen Begriff der drohenden Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO, eine ausdrückliche Verknüpfung nehmen die Programmunterlagen jedoch nicht vor.
Welche Sicherheiten werden für einen Liquiditätskredit verlangt?
Die Anforderungen variieren stark. Der Niedersachsen-Liquiditätskredit und das Li-GO-Programm verlangten keine Sicherheiten; eine Selbstauskunft genügte. Das Li-GO-Programm stellte die Hausbank zusätzlich zu 100 Prozent von der Haftung frei. Der LfA-Universalkredit arbeitet mit einer 80-prozentigen Haftungsfreistellung für Darlehen bis 4 Millionen Euro und ermöglicht Bürgschaften bis zu 90 Prozent des Kreditbetrags für bestimmte Zwecke. Für andere Programme, wie den L-Bank-Unternehmenskredit, enthalten die ausgewerteten Unterlagen keine konkreten Angaben zur Besicherung.
