Privatinsolvenzen in Deutschland: Statistiken und Studien
Rund 76.300 Privatinsolvenzen zählte Creditreform für das Jahr 2025 – der höchste Stand seit 2016. Wer die Zahlen kennt und richtig einordnet, erkennt frühzeitig, wo Forderungsausfälle drohen.

Im Jahr 2024 meldete das Statistische Bundesamt 71.207 Verbraucherinsolvenzen in Deutschland, ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die eigentliche Dimension zeigt sich aber erst dahinter: Im Jahr 2025 waren nach dem Creditreform SchuldnerAtlas rund 5,67 Millionen Menschen überschuldet, erstmals seit dem Jahr 2018 wieder mit steigender Tendenz. Die Privatinsolvenz ist damit nur die sichtbare Spitze eines viel größeren Überschuldungsgeschehens. Wer die Zahlen aus der amtlichen Statistik und den großen Überschuldungsstudien nebeneinanderlegt, erkennt, wie viele Menschen betroffen sind und woran es liegt.
Wie viele Privatinsolvenzen gibt es in Deutschland pro Jahr?
Die amtliche Zahl liefert das Statistische Bundesamt in seiner Insolvenzstatistik. Im Jahr 2024 wurden 71.207 Verbraucherinsolvenzen registriert, nach 66.152 im Jahr 2023. Für das Jahr 2025 lag zum Redaktionszeitpunkt noch keine amtliche Jahreszahl vor, die Monatswerte lagen jedoch durchgehend über dem Vorjahr, im Juli 2025 etwa um 12,9 Prozent.
Ein Blick auf die längere Reihe ordnet den aktuellen Anstieg ein. Das Niveau bewegt sich weiterhin unter dem Zwischenhoch aus dem Jahr 2021.
| Jahr | Verbraucherinsolvenzen | Veränderung |
|---|---|---|
| 2018 | 67.597 | |
| 2019 | 62.632 | minus 7,3 Prozent |
| 2020 | 41.753 | minus 33,3 Prozent |
| 2021 | 79.620 | plus 90,7 Prozent |
| 2022 | rund 65.500 | minus 17,3 Prozent |
| 2023 | 66.152 | plus 1,0 Prozent |
| 2024 | 71.207 | plus 6,5 Prozent |
Was zählt statistisch als Privatinsolvenz?
Im amtlichen Sprachgebrauch gibt es den Begriff „Privatinsolvenz“ nicht. Das Statistische Bundesamt führt diese Fälle als Verbraucherinsolvenzen. Erfasst werden Insolvenzverfahren natürlicher Personen ohne wesentliche selbstständige Tätigkeit. Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform veröffentlichen eigene Auswertungen, die je nach Methode leicht von der amtlichen Statistik abweichen. Für das Jahr 2024 nennt das Statistische Bundesamt 71.207 Fälle, Creditreform kommt auf rund 72.100.
Wie hat sich die Zahl seit dem Jahr 2020 entwickelt?
Die auffälligste Bewegung in der Zeitreihe ist der Sprung zwischen dem Jahr 2020 und dem Jahr 2021. Im Jahr 2020 brach die Zahl auf 41.753 Verfahren ein, im Jahr 2021 schnellte sie um 90,7 Prozent auf 79.620 hoch. Der Grund liegt in einer Gesetzesreform.
Mit Wirkung für alle Anträge ab dem 1. Oktober 2020 verkürzte der Gesetzgeber das Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre. Viele überschuldete Menschen warteten das Inkrafttreten ab, weshalb im Jahr 2020 zunächst weniger Anträge gestellt wurden. Im Jahr 2021 folgte der Nachholeffekt. Seither hat sich das Verfahren auf einem erhöhten Niveau eingependelt, weil die kürzere Dauer die Hemmschwelle zur Antragstellung dauerhaft senkt.
Wie viele Menschen in Deutschland sind überschuldet?
Die Insolvenzzahlen bilden nur einen Bruchteil der tatsächlichen Notlagen ab. Der Creditreform SchuldnerAtlas 2025 zählt rund 5,67 Millionen überschuldete Menschen über 18 Jahren, ein Anstieg um 111.000 Personen oder 2,0 Prozent. Die Überschuldungsquote stieg auf 8,16 Prozent. Es ist der erste deutliche Zuwachs seit dem Jahr 2018, nachdem die Quote zuvor sechs Jahre in Folge gesunken war.
Damit ist rechnerisch mehr als jeder zwölfte Erwachsene in Deutschland überschuldet. Zwischen dieser breiten Überschuldung und den knapp über 70.000 jährlichen Insolvenzverfahren liegt eine große Grauzone aus Menschen, die ihre Zahlungsprobleme ohne gerichtliches Verfahren tragen.
Welches Bundesland hat die höchste Überschuldung?
Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Zwischen dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht liegt der doppelte Wert.
| Region | Überschuldungsquote | Einordnung |
|---|---|---|
| Bremen | 12,11 Prozent | höchste Quote |
| Deutschland gesamt | 8,16 Prozent | Bundesdurchschnitt |
| Bayern | 6,05 Prozent | niedrigste Quote |
In absoluten Zahlen entfielen fast 40 Prozent aller neuen Fälle des Jahres 2025 auf Nordrhein-Westfalen. In rund 69 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte stiegen die Quoten, doppelt so häufig wie im Vorjahr.
Welche Altersgruppen sind am stärksten betroffen?
Den stärksten relativen Anstieg verzeichneten im Jahr 2025 die über 60-Jährigen mit plus 3,4 Prozent, gefolgt von den unter 30-Jährigen mit plus 2,6 Prozent. Die höchste Überschuldungsquote weist weiterhin die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen auf, die erstmals seit dem Jahr 2016 wieder ansteigt. Nach Geschlecht sind Männer stärker betroffen: Bei ihnen stieg die Zahl um 79.000 (plus 2,3 Prozent), bei Frauen um 32.000 (plus 1,5 Prozent).
Was sind die häufigsten Ursachen einer Überschuldung?
Der iff-Überschuldungsreport 2025 wertet die Daten von Menschen aus, die eine Schuldnerberatung aufsuchen. Er zeigt, dass Überschuldung selten am eigenen Konsum allein liegt. Meist stehen Lebensereignisse am Anfang, die das Einkommen einbrechen lassen.
| Auslöser | Anteil der Fälle |
|---|---|
| Krankheit oder Sucht | 17,6 Prozent |
| Arbeitslosigkeit | 15,3 Prozent |
| Einkommensarmut | rund 10 Prozent |
| Konsumverhalten | rund 9,7 Prozent |
| Trennung oder Scheidung | rund 9,1 Prozent |
| Gescheiterte Selbstständigkeit | rund 9 Prozent |
Wie hoch sind die Schulden im Durchschnitt?
Nach dem iff-Überschuldungsreport 2025 lag die durchschnittliche Schuldenhöhe der Ratsuchenden im Jahr 2024 bei 14.908 Euro. Ein zunehmend problematischer Treiber sind Ratenkredite sowie Kauf-jetzt-zahl-später-Angebote mit hohen Verzugszinsen. Daneben schlagen Miet-, Energie- und Telekommunikationsschulden zu Buche.
Wer ist besonders von Überschuldung betroffen?
Die Überschuldung trifft bestimmte Lebenslagen deutlich häufiger. Alleinlebende und Alleinerziehende sind stark überrepräsentiert, und die Wohnkosten binden bei Betroffenen einen weit größeren Teil des Einkommens als im Bevölkerungsschnitt.
| Merkmal | Anteil |
|---|---|
| Alleinlebende | 61,7 Prozent |
| Alleinerziehende | 14,5 Prozent |
| Wohnkostenanteil am Einkommen | 48 Prozent |
| Ohne Schulabschluss | 18,4 Prozent |
Warum steigen die Privatinsolvenzen wieder?
Zwei Entwicklungen greifen ineinander. Zum einen wirkt die verkürzte Restschuldbefreiung strukturell: Der Weg zur Schuldenfreiheit ist mit drei Jahren deutlich attraktiver als zuvor mit sechs. Zum anderen erhöht die wirtschaftliche Lage den Druck. Die Unternehmensinsolvenzen stiegen im Jahr 2025 auf ein Zehnjahreshoch, was über Arbeitsplatzverluste unmittelbar auf private Haushalte durchschlägt. Gesundheitliche Probleme und Arbeitslosigkeit bleiben die häufigsten Auslöser, wie der iff-Report zeigt.
Wie lange dauert eine Privatinsolvenz heute?
Seit dem 1. Oktober 2020 dauert das Restschuldbefreiungsverfahren drei Jahre. Eine Mindesttilgung der Schulden ist für die Restschuldbefreiung nicht mehr erforderlich. Die Schuldner müssen in dieser Wohlverhaltensphase aber weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder sich ernsthaft darum bemühen und dürfen keine unangemessenen neuen Verbindlichkeiten eingehen. Wer dagegen verstößt, riskiert die Restschuldbefreiung.
Was können Betroffene und Unternehmen aus den Zahlen ableiten?
Für überschuldete Menschen ist der wichtigste Hebel ein früher Start. Je eher die Schulden geordnet und mit den Gläubigern verhandelt werden, desto häufiger lässt sich eine gerichtliche Insolvenz noch abwenden. Ein strukturiertes Schuldenmanagement verschafft den nötigen Überblick, ordnet die Verbindlichkeiten und prüft, ob eine außergerichtliche Einigung tragfähig ist, bevor der Weg in ein Verfahren führt.
Für Unternehmen mit vielen Privatkunden sind steigende Privatinsolvenzen zugleich ein Frühwarnsignal für das eigene Forderungsportfolio. Rund 71.000 Verfahren im Jahr entsprechen mehr als 190 neuen Fällen pro Tag. Wer auf Rechnung liefert oder Ratenzahlungen anbietet, trägt das Ausfallrisiko unmittelbar und sollte sein Forderungsmanagement an dieser Entwicklung ausrichten.

Diesen Beitrag hat Dr. Volker Furch inhaltlich und fachlich geprüft. Rechtsgrundlagen, Zahlen und Beispiele sind sauber aufgearbeitet und mit den zugrunde liegenden Quellen abgeglichen. Unsere redaktionellen Richtlinien
Häufige Fragen zu Privatinsolvenzen in Deutschland
Wie viele Privatinsolvenzen gibt es in Deutschland pro Jahr?
Im Jahr 2024 zählte das Statistische Bundesamt 71.207 Verbraucherinsolvenzen, ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2023. Damit setzt sich der seit dem Jahr 2023 steigende Trend fort, das Niveau liegt aber noch unter dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2021.
Wie viele Menschen in Deutschland sind überschuldet?
Im Jahr 2025 waren nach dem Creditreform SchuldnerAtlas rund 5,67 Millionen Menschen über 18 Jahren überschuldet, das entspricht einer Überschuldungsquote von 8,16 Prozent. Es ist der erste spürbare Anstieg seit dem Jahr 2018.
Welches Bundesland hat die höchste Überschuldung?
Im Jahr 2025 hatte Bremen mit 12,11 Prozent die höchste Überschuldungsquote, Bayern mit 6,05 Prozent die niedrigste. In absoluten Zahlen entfielen fast 40 Prozent der neuen Fälle auf Nordrhein-Westfalen. Der Bundesdurchschnitt lag bei 8,16 Prozent.
Was ist die häufigste Ursache für Überschuldung?
Nach dem iff-Überschuldungsreport 2025 sind gesundheitliche Probleme wie Krankheit und Sucht mit 17,6 Prozent die häufigste Hauptursache, gefolgt von Arbeitslosigkeit mit 15,3 Prozent. Zusammen mit Einkommensarmut, Konsumverhalten und Trennung erklären wenige Auslöser den Großteil der Fälle.
Wie hoch sind die Schulden bei einer Überschuldung im Durchschnitt?
Nach dem iff-Überschuldungsreport 2025 lag die durchschnittliche Schuldenhöhe der Ratsuchenden im Jahr 2024 bei 14.908 Euro. Die Spanne ist groß, ein erheblicher Teil der Betroffenen liegt deutlich darüber oder darunter.
Warum sind die Privatinsolvenzen im Jahr 2021 so stark gestiegen?
Ursache war die Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens von sechs auf drei Jahre für alle Anträge ab dem 1. Oktober 2020. Viele Betroffene warteten das Inkrafttreten ab, weshalb die Zahl im Jahr 2020 einbrach und im Jahr 2021 um 90,7 Prozent auf 79.620 Verfahren hochschnellte.
Wie lange dauert eine Privatinsolvenz heute?
Seit dem 1. Oktober 2020 dauert das Verfahren bis zur Restschuldbefreiung drei Jahre, zuvor waren es sechs. Eine Mindesttilgung ist nicht mehr nötig, die Schuldner müssen aber weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder sich darum bemühen.
Sind Männer oder Frauen häufiger überschuldet?
Männer sind stärker betroffen. Im Jahr 2025 stieg die Zahl überschuldeter Männer um 79.000 (plus 2,3 Prozent), die der Frauen um 32.000 (plus 1,5 Prozent). Männer tragen zudem im Schnitt höhere Schuldensummen.
