Insolvenzen in Deutschland: Aktuelle Zahlen und Statistiken im Überblick
Die Zahl der Firmenpleiten gilt als eines der aussagekräftigsten Konjunkturbarometer. Nach mehreren Jahren mit deutlichen Anstiegen liegt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland wieder auf dem höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Für Geschäftsführer und Unternehmer ist das ein Signal, die eigene Lage frühzeitig zu prüfen. Dieser Beitrag bündelt die aktuellsten belastbaren Zahlen zu Insolvenzen […]
Die Zahl der Firmenpleiten gilt als eines der aussagekräftigsten Konjunkturbarometer. Nach mehreren Jahren mit deutlichen Anstiegen liegt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland wieder auf dem höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Für Geschäftsführer und Unternehmer ist das ein Signal, die eigene Lage frühzeitig zu prüfen.
Dieser Beitrag bündelt die aktuellsten belastbaren Zahlen zu Insolvenzen in Deutschland und stützt sich dabei ausschließlich auf Primärquellen: das Statistische Bundesamt (Destatis), die Wirtschaftsauskunftei Creditreform und den Kreditversicherer Allianz Trade. Alle zentralen Angaben sind direkt verlinkt.
Wie viele Insolvenzen gab es 2025 in Deutschland?
Im Jahr 2025 meldeten die deutschen Amtsgerichte 24.064 Unternehmensinsolvenzen und 77.219 Verbraucherinsolvenzen (Statistisches Bundesamt). Bei den Firmenpleiten entspricht das einem Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei den Verbraucherinsolvenzen einem Plus von 8,4 Prozent.
Die wirtschaftliche Wucht dieser Zahlen zeigt sich an den offenen Forderungen. Die Gläubigerforderungen aus den 2025 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 47,9 Milliarden Euro. Betroffen waren nach Angaben von Creditreform etwa 285.000 Arbeitsplätze (Creditreform).
Wie viele Unternehmen gehen in Deutschland jeden Tag insolvent?
Rechnerisch meldeten die Gerichte 2025 rund 66 Unternehmensinsolvenzen pro Kalendertag (24.064 geteilt durch 365 Tage). Zählt man die Verbraucherinsolvenzen hinzu, kommt man auf etwa 278 eröffnete oder beantragte Insolvenzverfahren an jedem Tag des Jahres.
Diese Durchschnittswerte verdecken allerdings, dass die Anträge sich auf die Werktage konzentrieren. An einem einzelnen Arbeitstag liegt die tatsächliche Zahl der Unternehmensinsolvenzen daher spürbar höher.
Sind die Insolvenzen in Deutschland gestiegen?
Ja, und zwar deutlich. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist das dritte Jahr in Folge gestiegen (Statistisches Bundesamt). Auf ein Plus von 22,1 Prozent im Jahr 2023 folgten 22,4 Prozent im Jahr 2024 und zuletzt 10,3 Prozent im Jahr 2025.
Der Anstieg fällt 2025 also schwächer aus als in den beiden Vorjahren, das Niveau bleibt aber hoch. Höher als 2025 lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt im Jahr 2014 mit 24.085 Fällen.
Wie hat sich die Zahl der Insolvenzen langfristig entwickelt?
Die langfristige Entwicklung verläuft in Wellen und folgt eng der gesamtwirtschaftlichen Lage. In der amtlichen Zeitreihe reicht die Erfassung bis in die 1950er-Jahre zurück, damals lag die Zahl mit 3.697 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 1956 nur bei einem Bruchteil des heutigen Werts (Statistisches Bundesamt).
Nach dem Höchststand Anfang der 2000er-Jahre gingen die Zahlen bis in die Pandemiezeit zurück und erreichten 2021 mit 13.993 Fällen einen Tiefpunkt, unter anderem wegen der zeitweise ausgesetzten Insolvenzantragspflicht. Seither steigen die Zahlen wieder kräftig an. Die folgende Übersicht zeigt ausgewählte Meilensteine.
| Jahr | Unternehmensinsolvenzen | Einordnung |
|---|---|---|
| 1956 | 3.697 | früher Wert der Zeitreihe |
| 2003 | 39.320 | historischer Höchststand |
| 2009 | 32.687 | Finanz- und Wirtschaftskrise |
| 2019 | 18.749 | Jahr vor der Pandemie |
| 2021 | 13.993 | Tiefpunkt der Zeitreihe |
| 2023 | 17.814 | Beginn des starken Anstiegs |
| 2024 | 21.812 | weiterer kräftiger Zuwachs |
| 2025 | 24.064 | höchster Wert seit 2014 |
In welchem Jahr gab es die meisten Insolvenzen in Deutschland?
Den historischen Höchststand markiert das Jahr 2003 mit 39.320 Unternehmensinsolvenzen, dicht gefolgt vom Jahr 2004 mit 39.213 Fällen (Statistisches Bundesamt). Diese Werte spiegeln die schwere Wirtschaftsschwäche der frühen 2000er-Jahre wider.
Von diesem Rekordniveau aus gingen die Zahlen über viele Jahre zurück, unterbrochen nur durch die Finanzkrise 2009. Der aktuelle Anstieg reicht bislang nicht an die Höchststände der 2000er-Jahre heran, hat aber wieder das Niveau von 2014 überschritten.
Wie hoch ist die Insolvenzquote in Deutschland?
Die Insolvenzquote gibt an, wie viele Unternehmen je 10.000 bestehende Unternehmen eine Insolvenz anmelden. Zuletzt lag diese Insolvenzhäufigkeit bei rund 69 je 10.000 Unternehmen (Statistisches Bundesamt). Sie unterscheidet sich stark nach Branche.
Besonders betroffen sind Wirtschaftszweige mit hohen Fixkosten und geringen Margen. Die höchste Insolvenzhäufigkeit weisen folgende Branchen auf:
- Verkehr und Lagerei: 133 je 10.000 Unternehmen
- Gastgewerbe: 108 je 10.000 Unternehmen
- Baugewerbe: 104 je 10.000 Unternehmen
- Unternehmensnahe Dienstleistungen: 100 je 10.000 Unternehmen
Nach Unternehmensgröße entfällt der Großteil der Fälle auf Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten. Sie machen laut Creditreform mehr als vier von fünf aller Unternehmensinsolvenzen aus (Creditreform).
Was ist der häufigste Insolvenzgrund?
Der mit Abstand häufigste rechtliche Eröffnungsgrund ist die Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO. Sie liegt vor, wenn ein Unternehmen seine fälligen Zahlungspflichten nicht mehr erfüllen kann. Daneben kommt die Überschuldung nach § 19 InsO als eigenständiger Eröffnungsgrund in Betracht.
Von diesen juristischen Gründen sind die wirtschaftlichen Ursachen zu unterscheiden. Als treibende Faktoren nennt Creditreform hohe Verschuldung, einen erschwerten Zugang zu neuen Krediten sowie strukturelle Belastungen wie Energiepreise und regulatorische Anforderungen (Creditreform). Wer diese Warnsignale früh erkennt, hält sich mehr Handlungsspielraum offen, wie unsere Insolvenzberatung im Einzelfall zeigt.
Wie sind die Insolvenzprognosen für 2026?
Die Aussichten deuten auf einen weiteren Anstieg hin. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Allianz Trade rund 24.500 Unternehmensinsolvenzen und damit den höchsten Wert seit zwölf Jahren (Allianz Trade). Ein Abflauen der Entwicklung gilt erst dann als wahrscheinlich, wenn die Wirtschaft wieder spürbar wächst.
Die ersten amtlichen Signale bestätigen den Trend. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen laut Creditreform um 7,8 Prozent auf rund 12.900 Fälle, den höchsten Halbjahreswert seit 2013 (Creditreform). Für betroffene Unternehmen bleibt die zentrale Erkenntnis dieser Statistiken unverändert: Je früher eine Krise erkannt wird, desto mehr Wege zur Sanierung stehen noch offen.
